F e r n w e h-Pur...
Auswanderungsbericht der Familie Kreideweiss

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Mein Mann und ich hatten uns schon immer mit dem Thema Auswandern beschäftigt, doch erst als unser Sohn ca. sechs Jahre alt war, dachten wir zum ersten Mal ernsthaft daran, Deutschland ganz zu verlassen. Wir wohnten damals in Bayern, und wir waren oft beim Wandern auf der Suche nach wenig belebten Wegen, verweilten an einer besonders ruhigen Stelle mit herrlichem Ausblick und sinnierten darüber, wie schön es doch wäre, all das in einem anderen Land zu haben. Die Sehnsucht, aus Deutschland wegzuziehen, wurde immer größer, wir fühlten uns nicht mehr wohl und eingeengt. Trotz allem dauerte es noch über 4 Jahre, bis die Entscheidung gefallen war, und wir stolzer Besitzer eines Permanent Resident Visums für Australien waren.

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USA oder Kanada fielen aufgrund der damaligen Einwanderungsbestimmungen weg, da wir nicht über genügend Kapital verfügten, um entsprechend hohe Investitionen zu tätigen, und Beruf und Erfahrung nur in ganz bestimmten Branchen zählte. Aber wir hatten unsere Kenntnisse, eine gute Ausbildung und langjährige Berufserfahrung. Ich dachte mir, dass dies doch etwas wert sein musste. Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass Auswandern nur noch für eine privilegierte Schicht mit gutem finanziellen Background möglich sein sollte. Wir wollten nicht in Deutschland bleiben.

Meine erste „Tat“ war eine heimliche Anfrage an die australische Botschaft, die uns wenig später den Punktetest übersandte. Mein Mann war überrascht, meinte aber, warum nicht, versuchen wir es. Seine Hoffnung war nach der schroffen kanadischen Absage allerdings gering. Sehr zu unserer Freude erreichten wir jedoch die Höchstpunktzahl für die damalige Visumsklasse der Independent Skilled Migration und konnten den offiziellen Antrag stellen. Dies war der Startschuss zu einer schier endlosen Serie von neuen Anträgen, Genehmigungen, Übersetzungen und hohen Ausgaben, allerdings auch zu einem Abenteuer der besonderen Art, da wir dachten, dass sich Australien nicht allzusehr von den USA unterscheiden würde. Das war allerdings ein großer Irrtum.

Wir kannten Australien nicht, und das Internet existierte in dieser Form damals ja noch nicht. So versuchten wir, mit teuren und meist nutzlosen Büchern mit schönen Bildern soviel wie möglich über Australien zu lernen und sahen alle möglichen Fernsehsendungen. Gebracht hat es letzten Endes nichts, weil fast alles auf Tourismus ausgerichtet ist. In einem Land zu leben ist etwas völlig anderes. In gewisser Form fühlten wir uns fast als Pioniere, mit dem Unterschied, dass wir zum Koffer auch einen Container packten.

Wir hatten nach Ausstellung des Visums gerade mal sechs Monate Zeit, alles zu organisieren und das Haus zu verkaufen, dann ging es ab in unsere neue Heimat, Perth in Western Australia. Nun war es auch an der Zeit, Eltern, Verwandten und Freunden etc. mitzuteilen, dass wir nach Australien auswandern. Wir hatten dies fast bis zum Schluss zurückgehalten, weil wir uns monatelange Diskussionen und Streitereien ersparen wollten. Es war ein weiser Entschluss, denn es fielen böse Worte, es wurde gestritten und völliges Unverständnis über unsere Entscheidung ausgedrückt. Undankbarkeit und Verantwortungslosigkeit wurde uns vorgeworfen. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir wieder auf einem normalen Grad der Verständigung angekommen waren. Im Flugzeug konnten wir dann endlich abschalten und uns treiben lassen, aber echte Entspannung stellte sich nicht ein, wir waren zu sehr bereits mit dem beschäftigt, was vor uns lag. Lediglich unser Sohn schaffte es, vier Stunden vor der Landung in Perth so fest einzuschlafen, dass wir ihn kaum wecken konnten. Die Landung in Perth im Juli war herrlich. Trotz Winter wehte draußen eine laue Brise, die Palmen am Flughafen bewegten sich sanft, und die untergehende Sonne tauchte alles in goldenes Licht. Es war ein warmer Empfang von unserer neue Heimat.

Unser Start war trotz aller Planung nicht ganz einfach, obwohl wir sehr viel Hilfe von Behörden und anderen erfuhren. Es bedeutete, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden, tagaus tagein in einer anderen Sprache zu leben, ein Haus zum Wohnen zu finden und zunächst ohne die eigenen Dinge auszukommen. Unsere ersten Monate verbrachten wir in einem möblierten Haus, von dem wir weniger als die Hälfte nutzen konnten, weil es entweder durchregnete oder die Räume nicht beheizbar waren. Unser Sohn musste sich in einer ESL School (English Second Language School) zurechtfinden, da er kein Wort Englisch sprach. Leider sprach in seiner Klasse auch niemand deutsch, und das führte bei ihm zu emotionalen Problemen, da ihn nun wirklich niemand verstand. Aber auch diese Phase ging vorüber, und nach ca. drei Monaten wurden schon fast alles zur Routine, vom Einkaufen bis hin zum Hausbau.

Wir fühlten uns schon erheblich besser, als unser eigenes Haus bezugsfertig war und wir endlich den bereits seit einigen Monaten eingelagerten Hausrat ausliefern lassen konnten. Von da an begann das „Heimisch fühlen“, jeden Tag ein bisschen mehr. Unser Sohn hatte sich in der Schule gut eingelebt und lernte mit jedem Tag schneller Englisch, ich hatte bereits die Innenstadt von Perth ausgiebig erkundet, mein Mann hatte einen Job, wir konnten auf der linken Straßenseite fahren und nannten den ersten rechtsgesteuerten Wagen unser eigen. Unser Leben begann wieder in normalen Bahnen zu verlaufen. Wir genossen das Wetter, das Schwimmen im Indischen Ozean, die Freiheit und das weite Land. Wir fühlten uns frei, wesentlich unbeschwerter und einfach gut.

Nach Perth kam Broome, wo wir uns mit einem eigenen Geschäft selbständig machen wollten, eine völlige Fehlentscheidung, wie sich schnell herausstellte, obwohl die Bedingungen theoretisch betrachtet gar nicht so schlecht waren. Country Life in Australien hat nichts mit ländlichem Wohnen in Deutschland zu tun, es ist eine harte Herausforderung, nur geeignet für Leute, die mit großer Einsamkeit und Langeweile umgehen können. Das konnten wir nicht, auch wenn wir keine Großstadt wie Sydney brauchten, verlangte es uns doch nach gewisser Abwechslung als jeden Tag nur Strand und Sonne. Nachdem wir ein Jahr lang im großen Nowhere, über 2.000 km in jede Richtung von der nächsten großen Stadt entfernt, verbracht hatten, hielten wir es nicht mehr aus. Das Business lief ohnehin nicht gut, weil die lokale Bevölkerung alles daran setzte, Fremdlingen wie uns die Existenz unmöglich zu machen. Dies ist in solchen Townships ein beliebtes Spiel, auch mit Australiern, die nicht dort heimisch sind. Wir hatten eine harte Lektion gelernt.

Nach Perth wollten wir wegen der Isolation der Stadt und auch dem doch sehr harschen Klima nicht mehr zurück, so entschieden wir uns also für Adelaide. Unsere Möbel wurden wieder einmal verladen, und wir fuhren mit einem bis unters Dach vollgestopften Wagen durch Australien. Sieben bequeme Tage quer durchs Red Centre ist schon ein Erlebnis. Wir hielten oft an, manchmal nur, um dem Wind zu lauschen, der mit den Spinifex spielte. Die endlose Weite und die oft hörbare Stille waren einzigartige Erfahrungen, die man nie wieder vergisst. Erst dann lernt man das wahre Gesicht Australiens kennen, und man fühlt sich wie ein Staubkorn auf einem riesigen Spiegel. Das Land ist grandios, und wer einmal die Extreme der Kimberley von tiefstem Grün über leuchtendes Rost-Rot bis hin zu azurblauem kristallklarem Wasser erlebt und die Reinheit des Vogelgesangs in natürlichen Amphitheatern gehört hat, wird davon nicht mehr losgelassen.

Unsere Reise war jedoch noch nicht zu Ende, sie führte uns 4 Jahre später weiter nach Brisbane, weil unser Sohn die Schule wechseln musste. Das Ambiente Adelaide‘s stimmte auch nicht. Die Stadt war für uns zu altmodisch und sehr konservativ, zudem hatten wir das Gefühl, wenn wir das vielgerühmte Hahndorf oder das Barossa Valley besuchten, dass dort die Zeit im Stil von Deutschland 1950 stehengeblieben war. Unsere damals letzte Station in Australien war Caboolture, ein kleiner Ort ca. 40 km nördlich von Brisbane (QLD), wo wir noch 1 Jahr verbrachten. Wir fühlten uns in Queensland eigentlich ganz wohl, und Brisbane war uns die liebste Stadt, doch irgendwie stimmte alles noch nicht so ganz. Irgendetwas fehlte, vielleicht hatten wir auch tatsächlich Heimweh, wir mussten einfach herausfinden, wohin wir gehören. Wir gingen nach Deutschland zurück.

Dies war ein sehr großer Fehler, wie wir jetzt, nach drei Jahren in Deutschland, einsehen mussten. Nicht Australien war das Trauma, sondern vielmehr Deutschland. Wir waren immerhin über acht Jahre im Ausland gewesen, und viele unserer Ansichten und Einstellungen hatten sich drastisch geändert. Wir hatten in Deutschland mehr Schwierigkeiten, uns wieder anzusiedeln, als wir damals in Australien als Einwanderer hatten. Verglichen mit deutschen Behörden war der Umgang mit Australiern ein Klacks. Zudem merkten wir schnell, dass das heutige Deutschland mit dem, das wir acht Jahre zuvor verlassen hatten, nicht mehr viel gemein hatte. Trotz Arbeit, brauchbarer Wohnung und schöner Gegend haben wir uns an vieles nicht mehr gewöhnt. Politiker, die erbarmungslos Jagd auf die letzten Münzen des kleinen Steuerzahlers machen - die deutsche Politik war in den Jahren unserer Abwesenheit enorm einseitig und rücksichtslos geworden. Der Gedanke an Australien kam immer öfter. Wir vermissten die deutlich bessere Luft, die Weite, die langen Strände und die herrlichen Sonnenuntergänge. Vor allem aber vermissten wir das Easy Going in so vielen Bereichen, z.B. im Umgang mit Behörden. Selbst das endlose Outback hat seine Reize, wenn man wirklich einmal Ruhe sucht. Wir begannen nach Gründen zu suchen, warum wir in Deutschland bleiben sollten, und ehrlich gesagt, wir fanden nicht viele. Da sich alles am Ende auf weiße Weihnachten und eine eventuell bessere Auswahl an Lebensmitteln beschränkte, waren mein Mann und ich uns einig, wo unsere Prioritäten liegen, und auf was wir verzichten können. Unser Sohn hatte sich ohnehin dazu entschieden, in Australien zu bleiben.

So fällten wir dann vor ein paar Monaten, gerade rechtzeitig vor Ablauf der Antragsfrist für das Resident Return Visum, den Entschluss, diesmal endgültig nach Down Under zurück zu gehen. Manchmal muss man zurück, um herauszufinden, wohin man wirklich gehört und mit was man leben kann.

Wir dachten uns, dass andere Auswanderer sicherlich aus unserer Erfahrung und unseren Fehlern lernen können, zudem fehlte uns damals auch die Lektüre über das Leben in Australien, nicht nur die Anleitung, wo man welche Anträge stellt und wie die Ladenöffnungszeiten sind. Deshalb entschlossen wir uns, Erfahrungen, Erlebnisse und gute Ratschläge in einem Buch niederzuschreiben. Dieses Buch ist über unsere Website http://users.bigpond.net.au/ozcon/Start.html im pdf.Format erhältlich. Zum Reinschnuppern gibt‘s eine kostenlose Download-Version.

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Stefan und Sibille Kreideweiss

E-Mail: skippy0804@bigpond.com

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