F e r n w e h-Pur... Reisebericht

1.- 3. Tag
Vancouver - Sasquatch Povincial Park - Harrison Hot Springs - Okanagan Lake

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1. Tag Hamburg - Vancouver (06. September)


Der 6. September 2001 ist unser Tag: Aufbruch in Kanadas Westen, nach Vancouver. Wir starten vom Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel und steigen dort in den Airbus A 300 der kanadischen Charter-Fluggesellschaft „Canada 3000“. Bei Charter-Fluggesellschaften sind nur 20 kg (pro Person) Gepäck erlaubt, jedes weitere Kilo muss bezahlt werden. Wir sind froh, dass wir das Gepäcklimit nicht überschritten haben. Immerhin wollen wir in den nächsten drei Wochen British Columbia mit einem Camper erkunden und dafür entsprechend gerüstet sein (Trecking-Schuhe, Regenausrüstung, Foto-Equipment u.s.w.).

Pünktlich um 11.10 Uhr hebt der vollbesetzte Jet ab. An Bord ist nun Reisestimmung angesagt. Es haben sich viele Reisegruppen gesucht und gefunden, die nun über ihre Pläne im „Bear Country“ berichten. Nach einem rund zehnstündigen Flug und einem Zwischenstop in Calgary landen wir um 13.30 Uhr Ortszeit in Vancouver. Dort erwartet uns ein wolkenreicher Mittag bei angenehmen Temperaturen (ca. 18 ºC) und die Frage, wie wir vom Flughafen zu unserem Hotel, dem „Days Inn Metro“ (81,75 CA-$ pro Zimmer) gelangen. Die erste Übernachtung nach Ankunft in Kanada muss grundsätzlich im Hotel verbracht werden, da das Mieten eines Campers/ Wohnmobils aus versicherungstechnischen Gründen erst am zweiten Tag erlaubt ist. Wir steigen in ein Taxi ein und erreichen schließlich nach einigen Umwegen – der Taxifahrer hatte die Hausnummer einem anderen Teilstück des Kingsway zugeordnet – im Days Inn Metro (2075 Kingsway). Die Taxifahrt hat schließlich rund 40,- CA-$ gekostet. Wenigstens haben wir schon einen kleinen Einblick in die Metropole erhalten...

Die Zimmer im Days Inn sind ordentlich und sauber. Sie entsprechen dem Standard nordamerikanischer Motelketten. Die Blumenanlagen sind sehr gepflegt, vor allem der Innenhof versprüht ein mediterranes Flair und lässt erste Urlaubsgefühle aufkommen. Die Buchungen für die erste und letzte Nacht in Vancouver haben wir im Internet vorgenommen.

Von der nahe gelegenen (15 Minuten Fußweg) „Nanaimo Station“ geht es nun mit dem Skytrain (pro Fahrt: 1,75 CA-$) in Richtung Downtown. In der Umgebung des „Days Inn“ und der „Nanaimo Station“ wohnen überwiegend Asiaten in kleinen, einfachen Häusern. Der Skytrain, der zwischen Waterfront Station (Nahe Canada Place) und King George (Surrey) verkehrt, wurde im Rahmen der EXPO 1986 gebaut und ist eine sehr gute Möglichkeit, die City „von oben“ zu betrachten. Ähnlich wie die Hamburger Hochbahn bewegt sich der Nahverkehrszug auf einer „Fahrbahn auf Stelzen“ und bietet eine attraktive, schnelle und kostengünstige Möglichkeit, von den Vororten in die City zu gelangen. Trotz seines Namens fährt der „Sky“-train im Stadtkern teilweise unterirdisch. Wir erhalten einen ersten schönen Ausblick auf die Skyline von Vancouver, der größten Stadt in Kanadas Westen.

Nun sind wir in der „Robson Street“. Die Einkaufsmeile Vancouvers wurde nach einem der ersten Premierminister der Provinz benannt und bietet eine breite Auswahl an Geschäften: vom Edel-Designer über Kaufhäuser und Souveniergeschäfte bis zu Restaurants, Café. In einigen Geschäften der gehobenen Klasse kann sogar mit US-Dollar oder Yen bezahlt werden. Wie kann man einen Aufenthalt in Nordamerika anders beginnen als mit einem verspäteten Brunch bei Burger King? Dort genießen wir die Aussicht und beobachten die „Vancouverianer“, die geschäftig durch die Straßen schreiten. Der Altersdurchschnitt scheint hier recht niedrig zu sein, was vielleicht auch daran liegen könnten, dass zur Mittagszeit eher Studenten in der City unterwegs sind. Tatsächlich ist Vancouver eine sehr „junge“ Stadt, da 35 % der Bewohner zwischen 25 und 45 Jahre alt sind. Jeder dritte Einwohner Vancouvers ist chinesischer Abstimmung, womit die Pazifikmetropole die zweitgrößte chinesische Gemeinde außerhalb von China bildet. Manch einer spottet sogar, dass Chinesisch in naher Zukunft Französisch als zweite Sprache Kanadas ablösen könne. Wir schlendern in Richtung Waterfront, dem Hafengebiet am „Burrard Inlet“. Dort genießen wir die Aussicht auf die Skyline von Vancouver, die dem deutschen Fernsehzuschauer vielleicht schon aus Filmen und Serien wie unter anderem „Akte X“ bekannt sein könnte. Vancouver wird hier gerne als „Double“ für amerikanische Großstädte benutzt. In dieser Gegend werden viele Gebäude gebaut und modernisiert. Die gläsernen Skyscraper prägen das Stadtbild von Downtown Vancouver. In der Umgebung des Canada Place, des von gewaltigen weißen Segeln umgebenen Hotel- und Handeslzentrums, fand im Jahre 1986 die Expo statt. Im Hafen gibt es zwei schwimmende Tankstellen für Boote und Schiffe. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir North Vancouver, umgeben von dem im Nebel verschwindenden Küstengebirge. Die Bucht „Burrard Inlet“ bietet auch die Start- und Landebahn für Wasserflugzeuge, mit denen fast im Minutentakt Touristen einen Rundblick über die drittgrößte Stadt Kanadas erleben können. Als wir das fast mediterrane Ambiente an der Waterfront genießen, können wir nachvollziehen, warum die Vereinten Nationen Kanada bereits zum siebten Mal in Folge als Land mit der höchsten Lebensqualität eingestuft haben. In Vancouver ist dieser Lebens- und Freizeitwert spürbar, der die Stadt auch von den beiden Millionenstädten Toronto und Montreal unterscheidet. Seit Jahren schon streitet Vancouver mit San Francisco um den Titel „schönste Stadt in Nordamerika“. Das Urteil bleibt wohl jedem selbst überlassen!

Langsam nähert sich der Abend und wir machen uns auf, die gastronomische Szene von Gastown, dem ältesten Bezirk Vancouvers zu erkunden. Dort gibt es neben den vielen Touristen-Shops zwei sehenswerte Wahrzeichen. Zum einen die Statue von Stadtgründer Jack „Gassy“ Deighton, der im Jahre 1867 mit einem Whiskyfass auf seinem Kanu den Fraser River herunter paddelte und als Goldsucher am „Burrard Inlet“ anlandete. Schnell eröffnete er hier, in dieser noch unbesiedelten Gegend, einen Saloon. Er ahnte damals noch nicht, dass sich daraus die heutige 1,8 Millionen Einwohner zählende Pazifik-Metropole entwickeln würde. Als die Stadt offiziell am 6. April 1886 gegründet wurde, benannte man sie allerdings nach dem Seefahrer George Vancouver. Jack „Gassy“ Deighton wurde dennoch in „seinem“ Stadteil namentlich verewigt: sein Spitzname „Gassy“ floss in „Gastown“ ein. Neben dem „Vater von Gastown“ macht die „Steam Clock“ hier auf sich aufmerksam. Diese dampfbetriebene Uhr pfeift unter starkem Dampfausstoß alle 15 Minuten und bietet ein beliebtes Fotomotiv. Wir bewegen uns Richtung Chinatown, das südöstlich an Gastown angrenzt. Ein US-Amerikaner klärt uns über dieses Viertel auf: „Ihr solltet hier nicht weitergehen. Diese Gegend ist nicht gut.“ Aber, er beruhigt uns auch: „Wir sind nicht in den USA. Hier wird nicht geschossen.“ Trotzdem machen wir kehrt und genießen die Abendstunden in einem vorzüglichen Thai-Restaurant in Gastown (Water Street). Recht früh geht es per Skytrain ins Days Inn zurück, da uns die Zeitumstellung mit zunehmender Dauer doch zu schaffen macht.

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2. Tag Vancouver – Sasquatch Povincial Park (07. September)


An unserem ersten Morgen in Kanada ist das Wetter sonnig und recht warm. „Breakfast“ ist im Hotelzimmerpreis eingeschlossen und besteht aus einem Gutschein für den benachbarten McDonalds! Nach dieser amerikanischen Schnellmahlzeit zu früher Stund‘ fahren wir mit dem Skytrain Richtung Stanley Park. Diese grüne Halbinsel, die sich nur einige Gehminuten westlich von Downtown befindet, ist über vier Quadratkilometer groß und bietet den Einwohnern eine Oase der Ruhe. Der Stanley Park liegt unterhalb der Lions Gate Bridge, die einst die größte Hängebrücke im britischen Empire war und heute in Konkurrenz zur Golden Gate Bridge in San Francisco steht. Die Erbauung der Brücke wurde damals von der Guiness Familie privat finanziert. Ein Geschenk an die Stadt Vancouver! Wir spazieren durch den Park und erfreuen uns an der Natur, dem Blick auf die Skyline sowie den ausgestellten „Kwakiutl“- und „Haida“-Totems der Ureinwohner Kanadas – und natürlich unserem Urlaubsstart.

Zurück in Downtown versäumen wir es nicht, der berühmten amerikanischen Cafe-Kette „Starbucks“ einen Besuch abzustatten und den „Iced Cold White Chocolate“-Kaffee zu genießen. Da wir in den Mittagsstunden von unserem Camper-Vermieter „Cruise Canada“ vom Flughafen abgeholt werden, geht es langsam zurück ins Days Inn Metro. Mit dem Taxi müssen wir wiederum zum Flughafen fahren. „Cruise Canada“ bietet nur Abholservice von den Flughafen-Hotels an, die übrigen Fahrten müssen selbst organisiert werden.

Im „Cruise Canada“-Office erhalten wir eine ausführliche (Video-)Einweisung (auf deutsch) in den „Gebrauch“ eines Wohnmobils bzw. Campers. Wir haben uns für einen T 19-Camper (18-21 feet) entschieden, da uns dieser für zwei Personen ausreichend erscheint und kostengünstiger (auch in „Nebenkosten“ wie Benzin) als ein größeres Wohnmobil ist. Neben einem Frischwassertank (75 Liter) verfügt der Camper über einen Zwei-Flammen-Gasherd, Kühlschrank (Gas), Warm-Wasser-Bereiter, Dusche/ WC, Heizung, Sitzecke und ein Alkoven-Bett (1,30 m x 2,20 m). In unserem Buchungspreis ist eine Haftpflichtversicherung (Deckungssumme 3 Mio. DM) sowie eine CDW (Collision Damage Waiver: Versicherung für das eigene Fahrzeug) mit einem Selbstbehalt von 4.500,- CA-$ enthalten. Wir hätten noch die Möglichkeit, unsere Selbstbehalt-Summe vor Ort mit einer Zusatzversicherung (VIP: 14,- CA-$ oder VIP-Plus: 20,- CA-$ pro Tag) zu verringern. Wir entscheiden uns gegen eine zusätzliche Versicherung, da die häufigsten Schäden aus Rückwärtsfahren sowie Reifenpannen ohnehin nicht enthalten wären. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall eines Schadens an der Frontscheibe lohnt sich nach unserer Rechnung die Zusatz-Versicherung nicht, da die Reparatursumme nicht höher ist als die Versicherungsprämie. Wir müssen eben bei „kritischen Situationen“ aufpassen, da die Eigenbeteiligung mit 4.500 CA-$ (rund 3.200 Euro) recht hoch ist. Viele Schäden müssen vollständig bzw. je nach Versicherungsart zu einem bestimmten Anteil vom Mieter übernommen werden. Dazu gehören auch Rangierschäden oder Schäden am Dach. Die Kaution von 750,- CA-$ wird vom Vermieter zunächst per Kreditkarte abgebucht und nach der Reise verrechnet bzw. zurückgebucht. Neben den Ausstattungspakten („Fahrzeug-Paket“, „persönliches Paket“) haben wir uns schon vor Beginn der Reise entschieden, zwei Meilenpakte à 1.600 Kilometer zu erwerben, da in unserer Buchung keinerlei Kilometerleistungen enthalten sind. 3.200 Kilometer erscheinen uns realistisch für eine dreiwöchige Kanada-Reise. Wir haben unsere Fahrleistung gut eingeschätzt: am Ende der Reise stehen 3.700 Kilometer mehr auf dem Tacho. Die 500 Zusatz-Kilometer werden beim Vermieter einzeln abgerechnet.

Nun ist der spannende Moment gekommen und wir dürfen einen ersten Blick in unseren Camper werfen. Das fast nagelneue Gefährt (18.330 KM) ist wesentlich größer als wir erwartet haben. Es bietet ausreichend Platz für zwei Personen. Unser Gepäck können wir leicht in den Schränken verstauen. Nachdem uns eine Mitarbeiterin von Cruise Canada die genaue Funktionsweise des Abwassertanks, der Frischwasserzufuhr, der Heizung, des Propangases, des Kühlschranks etc. erklärt hat, kann es endlich los gehen.

In diesem Ford-„Pick Up“ sitzen wir sehr hoch und kommen uns wie in einem schwebenden Raumschiff vor. Unsere erste Fahrt führt uns zum „Safe Way“-Supermarkt in der Nähe der Vermietstation. Dort können wir die Vielfalt kanadischer Supermärkte erfahren. Es gibt alles in erstaunlichen Mengen. Wir decken uns mit dem Lebensnotwendigen für die ersten Tage ein (Preise sind ca. 40 Prozent höher als in Deutschland). Nachdem wir in „Vancouver Area“ etwas die Orientierung verloren haben, schaffen wir es doch, über den Trans Canada Highway und die Route No. 1 in Richtung Harrison Hot Springs, unserem Ziel für die erste Nacht, zu fahren.

Wir haben uns entschieden, am Anfang der Reise den Süden von British Columbia zu erkunden. Das südlich gelegene Okanagan Valley ist für seine hohen Temperaturen und vielen Sonnenstunden, die wir auch jetzt noch – Anfang September – genießen möchten, bekannt. Über den Glacier National Park soll uns unsere Reise dann in den Yoho und Banff National Park führen. Nach einem kurzen Abstecher nach Calgary soll es dann über die Nationalparks Banff und Jasper auf der nördlichen Route wieder zurück nach Vancouver gehen. Von dort ist dann die Überfahrt nach Vancouver Island geplant, wo wir die letzte Woche unseres Kanada-Aufenthaltes verbringen möchten.

Auf einer Fähre überqueren wir den Fraser River und genießen zum ersten Mal die kanadische Wildnis: blaues Wasser, dichte grüne Wälder, idyllische Berge sowie ein weiter Horizont. So haben wir uns den Traum von Kanada vorgestellt! Am frühen Abend erreichen wir schließlich Harrison Hot Springs. Das Städtchen ist für seine heißen Quellen bekannt und hat den Charakter eines Kurortes. Dort schauen wir uns nach einer Camping-Übernachtungsmöglichkeit um.

Wir entscheiden uns, zu den Sasquatch Provincial Park Campgrounds, die rund zehn Kilometer weiter am Ostufer des Harrison Lake liegen, zu fahren. Nach einer kleinen (ungewollten) Erkundungstour sind wir schließlich auf dem gut gefüllten Campingplatz gelandet. Wir suchen uns einen der wenigen freien Plätze und meistern die ersten Einpark-Hürden mit Bravour. Der Sasquatch Provincial Park ist riesig und in verschiedene Campgrond-Areas unterteilt. Neben den vielen, schön hergerichteten Plätzen, die sich alle mitten im Wald befinden, bietet der Park einen Swimming-Pool, Amphitheater, Spielplatz und mehrere „Trails“. Nun steht uns das Kochen bevor und wir entdecken ein kleines Problem: Der Gasherd lässt sich natürlich nur mit Feuer in Gang setzen, das dafür notwendige Feuerzeug haben wir im Supermarkt vergessen. Wir wissen uns zu helfen: Der Zigarettenanzünder im Fahrzeug erfüllt auch seinen Dienst. Als der Gasherd endlich entzündet ist, hören wir lautstark das nächste Problem: der Rauchmelder. Auch er tut seinen Dienst und lässt dies auch die übrigen Campingplatz-Gäste wissen. Nach diesen ersten Kochversuchen entschließen wir uns endgültig: heute bleibt die Küche kalt. Wir wollen uns morgen (bei Tageslicht!) erst mit dem Camper vertraut machen. Das „Zubettgehen“ klappt dafür reibungslos und wir genießen die erste Nacht in unserem neuen Zuhause. Wir können nun auch verstehen, warum es versicherungstechnisch nicht erlaubt ist, den Camper direkt nach der Ankunft in Kanada zu übernehmen.

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3. Tag Harrison Hot Springs – Okanagan Lake (08. September)


Am Harrison Lake genießen wir einen wunderschönen, sonnigen Morgen. Wir fahren einige Kilometer zurück in Richtung Harrison Hot Springs, wo zur Zeit der alljährliche Sandburgen-Wettbewerb (Preisgeld: 39.000 CA-$) stattfindet. Bei dieser Ausstellung am Strand („Sand Castle Contest“ www.harrisand.org) werden die schönsten Sand-Skulpturen weltweit der Öffentlichkeit präsentiert und prämiert. Wir staunen über die aufwendige Detailarbeit der Künstler, erfreuen uns an vielen verschlungenen Palast-, Burg-, Statuen-, Flugzeug- und Tier-Sandbauten. Die Kunstwerke sind bewundernswert und klug durchdacht. Ohne eine genaue Zusammenstellung der Gesteinsmischung und einer kontinuierlichen Wasserzufuhr bleibt nichts zusammen und zerfällt wie eine Sandburg in alten Kindestagen. Dabei kommt es im wesentlichen auf die sorgfältige Verdichtung des Sandes an, bevor mit kleinen Werkzeugen und geschickten Händen Konturen in den feuchten Sand gebracht werden können.

Nachdem ich ein kurzes Bad im doch recht kühlen Harrison Lake genommen habe, setzten wir unsere Kanada-Rundreise in Richtung Hope fort. Hope ist eine 7.000 Einwohner zählende Kleinstadt, in der in den 80ern Szenen für den Film „Rambo I“ gedreht wurden. Wir fahren zu der größten Attraktion: die Othello Quintette Tunnels. Auf einer stillgelegten Bahntrasse der Kettle Valley Railway, die bis zum Jahre 1959 Vancouver mit Nelson verband, liegen in kurzen Abständen die zwischen 1911 und 1916 von Andrew McCulloch erbauten Tunnel. Nach einem kurzen Spaziergang in der malerischen Umgebung von Bergschluchten, einem grün-schimmernden Fluss und der singenden Vogelwelt erreichen wir die „Othellos“. Wir genießen den kurzen Gang durch die doch recht kühlen Tunnels und setzen bald unsere Fahrt zum Manning Provincial Park fort. In diesem dicht bewaldeten Park wagen wir die steile und enge Auffahrt zum Cascade Lookout. Weit oben werden wir mit einem wunderschönen Ausblick auf das Similkameen Tal und die Umgebung belohnt. Begleitet werden wir von vielen „Chipmunks“, den kanadischen Eichhörnchen.

Am frühen Nachmittag geht es weiter ins Okanagan Valley. Wir haben uns entschieden, den südlichen und damit auch wärmeren Teil British Columbias gleich zu Beginn unserer Kanada-Reise zu genießen, da wir uns noch einige September-Sonnenstrahlen erhoffen. Dieser Wunsch erfüllt sich: Die Temperaturen im Valley sind mit bis zu 30ºC recht hoch und wir bekommen von den jährlich rund 2.000 Sonnenstunden (Rekord für Kanada!) einige mit. Im Okanagan Valley, in dem sehr viele deutschstämmige Kanadier wohnen, gibt es viele Obst-Märkte, die die Anbauprodukte der Region verkaufen. Das Obst und Gemüse scheint in dieser Gegend hervorragend zu gedeihen, so große Tomaten haben wir noch nie gesehen.

Auf dem Weg zum Skaha und Okanagan Lake haben wir endlich den lebenden Beweis, wieso Kanada auch „Bear Country“ genannt wird. Wir entdecken unseren ersten Bären am Rande der Straße. Wow, es scheint ein junger Braunbär zu sein, der aber leider schnell das Weite sucht. Natürlich hoffen wir, dass wir im weiteren Verlauf der Reise noch näheren Kontakt zu Bären haben werden. Wir können uns schließlich in unserem Fahrzeug sicher fühlen und Bären greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen oder überrascht werden. So ist das!

Unser Nachtquatier schlagen wir heute im Illatue Beach Campground, in der Nähe von Summerland, auf. Dieser Campingplatz gehört zu den „Full Hook Up“-Anlagen, auf denen neben einem Stellplatz auch Wasser- und Stromanschluss zur Verfügung steht. Wir brauchen also nicht unseren Trinkwasservorrat in Anspruch zu nehmen oder die Autobatterie zu belasten. Die Fahrzeuge stehen hier dicht nebeneinander, Idylle kommt hier – obwohl direkt am Okanagan Lake gelegen - nicht richtig auf.

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