F e r n w e h-Pur... Reisebericht

12.- 14. Tag
Pemberton - Vancouver - Victoria - Goldstream Provincial

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12. Tag Pemberton - Vancouver (17. September)


An diesem Morgen tritt ein bisher noch nicht erlebtes Phänomen ein: Es regnet! Während einer Kanada-Reise kann es natürlich passieren, dass das Wetter durchwachsen oder schlecht ist. Bisher durften wir einen wunderschönen (Spät)-Sommer erleben. Meistens hatten wir strahlenden Sonnenschein und die Temperaturen lagen zwischen 15

Als wir langsam Richtung Whistler Village, dem Skiort in den Rockies, fahren, verbessert sich die Wetterlage und die Wolken verziehen sich langsam hinter den Bergen. Whistler ist ein Dorf, das im „Hütten“-Stil gebaut wurde. Es sieht alles sehr künstlich aus. Nachdem wir vergeblich die Tourist-Information gesucht haben, parken wir unseren Camper und spazieren in den Ortskern. Dort gibt es endlich - nach zehntägiger Enthaltsamkeit – ein „Starbucks“. Wir setzen uns gemütlich in dieses Cafe der US-amerikanischen Kette und lassen uns von einem frischgebrühten Kaffee verwöhnen.

In Whistler haben sich nicht sonderlich viele Menschen an diesem noch jungen Vormittag verirrt. Es gibt Geschäfte, Vermietstationen (Fahrräder, Skier etc.), Restaurants, Cafes etc. en masse. Endlich haben wir auch die Tourist-Information gefunden, da wir mit dem Gedanken gespielt haben, Fahrräder auszuleihen. Beim Anblick der hohen Preise vergeht uns allerdings dieses Verlangen. Ein typischer Skiort, der auch in den Schweizer Alpen liegen könnte. Der Blick auf den lebensgrößen Bären gefällt uns da schon eher. So nah kommen wir diesem Tier wahrscheinlich nie wieder. Das ist wohl auch gut so!

Gegen Mittag setzen wir unsere Reise Richtung Vancouver fort. An den Shannon Falls, den zweithöchsten Wasserfällen Kanadas (335 Meter), halten wir kurz an. Sie bieten, wie alle „Falls“ zuvor, ein beeindruckendes Bild. An der Küste und der nebligen Berglandschaft führt uns die Straße durch Britannia Beach. Dort besuchen wir das „Minning Museum“ (www.bcmuseumofmining.org; 18,50 CA-$ für zwei Personen), eine stillgelegte Kupfermiene. Die Mienenbahn, die durch die Stollen in den Berg fährt, ist eine wahre Attraktion. Unser Tour-Guide macht uns mit den Arbeitsverhältnissen der Arbeiter vertraut und weiht uns in den Gebrauch der wichtigsten Gesteinsarten und Gegenstände ein. Interessant sind vor allem die unterirdischen Toiletten. Natürlich gibt es hier auch das traditionelle Goldwaschen „Gold Panning“. Immerhin können wir einige Milligramm Gold aus dem Wasser fischen (nachdem wir es vorher im Shop gekauft und dann ins Wasser gegeben haben!) und als schönes Andenken nach Hause nehmen. Nach einem kurzen Abstecher ins Mining Museum ist der Capilano Park (www.capbridge.com) mit seiner berühmten Brücke unser nächstes Ziel.

Hier ist es nun richtig touristisch und das Gegenteil von dem, was wir bisher in West-Kanada gesehen haben. Auch die hohen Eintrittspreise (ca. 20,- CA-$ für zwei Personen) lassen uns an der Kasse zögern, wir sind aber letztlich sehr froh gewesen, diese außergewöhnliche Brücke kennengelernt zu haben. Die 140 Meter lange Hängebrücke wurde im Jahre 1956 mit Hilfe vorgedehnter Drahtseile, die in 13 Tonnen Zement an beiden Seiten verankert wurden, gebaut. Sie spannt sich über die 70 Meter tiefe Capilano Schlucht und gerät bei jedem Schritt eines Besuchers ins Wackeln. Obwohl es ein komisches Gefühl ist, auf einer hohen, sich bewegenden Brücke in die Tiefe zu blicken, fühlt man sich recht sicher. Gelangt man auf die andere Seite, wartet ein erfrischender „Lebendiger Wald“, der – glücklicherweise – nicht so stark frequentiert ist. Wir genießen die wenigen ruhigen Minuten am „Three Sister“-Teich und kehren anschließend in den Kern des Capilano Parks zurück. Dort werden Zertifikate für das erfolgreiche Überqueren der Brücke („I made it“) ausgehändigt. Natürlich kann man sich mit „Capilano“-Andenken eindecken. Die zahlreichen Souveniers werden hier von Ureinwohner geschnitzt. Für die komplette Bären-Familie, die freudig am Klavier sitzt, bleibt wohl kein Platz mehr im Flugzeug.

Über die Lions Gate Bridge geht es zum Campground Park Canada Delta (www.parkcanada.com; 23,- CA-$), einem Campingplatz, der (außerhalb von Vancouver) nur wenige Minuten entfernt von der Fähre nach Vancouver Island eine günstig gelegene Übernachtungsmöglichkeit bietet. Die Stellplätze sind hier sehr eng und erinnern sehr an die Verhältnisse auf einem deutschen Campingplatz. Wenigstens gibt es gute Waschmöglichkeiten und wir können mit einem frischen Bündel an Klamotten am nächsten Morgen nach Vancouver Island starten.

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13. Tag Vancouver - Victoria (Vancouver Island) (18. September)


Die Fähre legt pünktlich um 9.00 Uhr von Tsawwassen (35 Kilometer südlich von Vancouver City) nach Swartz Bay auf Vancouver Island (www.bcferries.com; 65,25 CA-$ pro Strecke; abhängig von Fahrzeuglänge!) ab. Endlich geht es auf die Insel! Die rund zweistündige Fahrt durch die Meerenge der Strait of Georgia ist sehr schön, obwohl es bewölkt ist. Vielleicht sollten wir uns schon an die Wetterverhältnisse auf Vancouver Island gewöhnen. Dort soll es meistens regnen! Es scheinen wohl nur wenige Menschen auf den malerischen Gulf Islands, durch die sich die Fähre ihren Weg sucht, zu leben. Die Bedingungen an Bord sind sehr gut. Es gibt viele Sitzplätze auf und unter Deck, Speisen und Getränke.

Vancouver Island ist die größte Insel vor der Westküste Nordamerikas. Sie ist 460 Kilometer lang und 31.200 Quadratkilometer. Dies entspricht ungefähr der Größe von Belgien. Die Insel, auf der rund eine halbe Millionen Einwohner leben, ist nach ihrem Entdecker, dem britischen Kapitän George Vancouver benannt, der die Insel im Jahre 1792 erreichte. Die Westküste ist am dünnsten besiedelt. Dort können Abenteuerlustige auch den mehrtägigen „West Coast Trail“ antreten. Auf der Insel gibt es zwei bedeutende Verkehrsstrecken, zum einen die Nord- und Süd-Achse, zum anderen die Ost-West-Verbindung

Auf Vancouver Island fahren wir zu den berühmten 20 Hektar großen Butchart Gardens (www.butchartgardens.com). Nachdem wir zähneknirschend den hohen Eintrittspreis (18,- CA-$ pro Person) zur Kenntnis genommen haben, genießen wir die gigantische Pflanzenvielfalt des Parks. Ein wahres Paradies, das Jennie Butchart 1904 für mittlerweile Millionen von Besuchern geschaffen hat. Zudem kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und wir erleben hervorragende Stunden in den Gärten, die hier „Sunken Garden“, „Rose Garden“, „Japanese Garden“ und „Italien Garden“ heißen.

Nach diesem pflanzenkundlichen Ausflug geht es weiter in die Hauptstadt British Columbias, nach Victoria (www.tourismvictoria.com; www.victoria.worldweb.com). Nein, nicht Vancouver, die größte Stadt von B.C., ist die Hauptstadt sondern seit über 120 Jahren das recht kleine (290.000 Einwohner), britisch geprägte und nach dem damaligen Staatsoberhaupt benannte Victoria. Captain James Cook war der erste Europäer, der die Pazifikküste der Region um Victoria entdeckte. Die Stadt selbst ist aus einem Handelsposten der „Hudson Bay Company“ hervorgegangen. Unser erster Eindruck ist sehr gut. Kein Wunder, da schon Victorias Entdecker Sir James Douglas die Stadt als „a perfect eden“ bezeichnet hat. An der Uferpromenade heißt die Stadt ihre Besucher mit ihrer Blumenvielfalt willkommen: „Welcome to Victoria“. Wir sehen das Provinzparlament und das luxuriöse Empress Hotel, das alltäglich nachmittags zur Tea-Time bittet. Dieses weit über die Landesgrenzen bekannte Hotel wurde 1908 von dem Architekten Francis Rattenbury gebaut. Victoria bietet ein wirklich britisches Bild: Rote Doppeldeckerbusse mit Touristen rollen durch die Straßen, an der Ecke wird Dudelsack gespielt, Shops verkaufen schottische Tartans und englische Tweeds. Wir gehen die Hauptstraße, die Government Street, entlang und nehmen schließlich im Eaton’s Centre Food Court ein typisch amerikanisches Mittagessen ein. Die Straßen und Geschäfte sind hier wirklich sehr malerisch und bieten die gewohnt kanadische Vielfalt. Von Souvenir-Shops über Bekleidung bis zu Starbucks ist hier wirklich alles zu finden. Die Stadt gefällt uns sehr, da sie sehr beschaulich, schön und einen individuellen Touch hat. Wir schauen uns die Johnson St. Bridge an, die sich bei Bedarf hochklappen lässt und über die wir unseren Campingplatz erreichen: den West Bay Marina Campground (35,- CA-$ + 50 Cent für 1,5 „Dusch-Minuten“). Der Platz ist trotz der recht hohen Übernachtungskosten fast ausgebucht, liegt aber sehr günstig direkt am Pazifik, unweit der Innenstadt. Vor uns liegt eine Hausbootsiedlung, auf der man das Leben auf dem Wasser zu genießen scheint.

Am Abend geht es mit einem typischen Fortbewegungsmittel Victorias in die City, mit dem „Water-Taxi“ (12,- CA-$ für zwei Personen). Eigentlich eine sehr gute Einrichtung. Das Wassertaxi bietet Platz für bis zu zehn Leute und hat zwischen dem „Inner Harbour“ und dem „Gorge Waterway“ feste Haltestellen. Unser witziger Kapitän zieht auf Nachfrage einen großen Packen Speisekarten der örtlichen Restaurants hervor und gibt dem interessierten Fahrgast persönliche Empfehlungen. Uns schlägt er einen Burger-Laden direkt am belebten Ufer vor. Dort genießen wir auch ein „landestypisches“ Essen in Western-Atmospäre. Den Rückweg zum Campingplatz müssen wir dann zu Fuß absolvieren, da zu später Stund die Wassertaxen nicht mehr im Einsatz sind. Wir genießen den fast nächtlichen halbstündigen Spaziergang am Ufer und stoppen für eine kleine Erfrischung an einer urigen Kneipe. Der Rückweg hat sich also gelohnt.

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14. Tag Victoria - Goldstream Provincial Park (19. September)


Da wir in der Hauptstadt British Columbias sind, darf natürlich ein Besuch des Parlaments nicht fehlen. In diesem nachts interessant beleuchteten Gebäude, das 1897 von dem Erbauer des Empress Hotel, Victorias bekanntesten Architekten Francis Rattenbury, gebaut wurde, machen wir uns mit dem kanadischen Regierungssystem sowie mit der Geschichte der Region vertraut. Anschließend geht es ins Royal British Columbia Museum (www.royalbcmuseum.bc.ca; Ticket-Preis: 9,- CA-$), das auch für Museumsmuffel ein Muss ist. 27 Millionen Besucher in den letzten 30 Jahren sind ein deutliches Zeichen für die Attraktivität des Museums. Auf drei Ausstellungsebenen wird die Naturgeschichte sowie die Historie der menschlichen Besiedlung British Columbias präsentiert. Unter anderem wird auch die Vergangenheit der Ureinwohner, der Indianer, dargestellt. Wir besichtigen ein „Big House“, ein zeremonielles Großhaus der Indianer British Columbias. Zudem gibt es eine komplette Pionierstadt aus dem 19. Jahrhundert sowie fast lebensecht wirkende, Tiere. In einer Tiefseeschau unternehmen wir eine Unterwasserreise in die Tiefen der Meereswelt.

Nach diesem vorbildlichen Vormittag geht es dann wieder in die Stadt. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir den Blick auf den Hafen und fahren bald nach Fort Rodd Hill, das im Westen Victorias liegt. Direkt an der alten Festungsanlage, die von 1878 bis 1956 militärisch genutzt wurde, liegt der Fisgard Leuchtturm, der älteste Leuchtturm an der kanadischen Westküste. Der 1860 erbaute Turm ist auch heute noch in Betrieb. Wir besichtigen das kleine Museum in den unteren Etagen.

Nun geht es weiter zum Goldstream Park Campground (18,50 CA-$), einem der schönsten Plätze, die wir auf unserer Reise erlebt haben. Der Campingplatz liegt mitten in der wilden Natur, ist sehr groß und zu dieser Zeit wenig besucht. Wir genießen die Einsamkeit und erfreuen uns an einem neuerlichen Barbeque.

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