F e r n w e h-Pur Reisebericht

Kanada's Westen

Tagebuch einer dreiwöchigen Truck-Camper-Reise
durch den kanadischen Westen
(Startpunkt: Vancouver) vom 06. bis 26. September 2001

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1. Tag Hamburg - Vancouver (06. September)
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Der 6. September 2001 ist unser Tag: Aufbruch in Kanadas Westen, nach Vancouver. Wir starten vom Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel und steigen dort in den Airbus A 300 der kanadischen Charter-Fluggesellschaft „Canada 3000“. Bei Charter-Fluggesellschaften sind nur 20 kg (pro Person) Gepäck erlaubt, jedes weitere Kilo muss bezahlt werden. Wir sind froh, dass wir das Gepäcklimit nicht überschritten haben. Immerhin wollen wir in den nächsten drei Wochen British Columbia mit einem Camper erkunden und dafür entsprechend gerüstet sein (Trecking-Schuhe, Regenausrüstung, Foto-Equipment u.s.w.).

Pünktlich um 11.10 Uhr hebt der vollbesetzte Jet ab. An Bord ist nun Reisestimmung angesagt. Es haben sich viele Reisegruppen gesucht und gefunden, die nun über ihre Pläne im „Bear Country“ berichten. Nach einem rund zehnstündigen Flug und einem Zwischenstop in Calgary landen wir um 13.30 Uhr Ortszeit in Vancouver. Dort erwartet uns ein wolkenreicher Mittag bei angenehmen Temperaturen (ca. 18 ºC) und die Frage, wie wir vom Flughafen zu unserem Hotel, dem „Days Inn Metro“ (81,75 CA-$ pro Zimmer) gelangen. Die erste Übernachtung nach Ankunft in Kanada muss grundsätzlich im Hotel verbracht werden, da das Mieten eines Campers/ Wohnmobils aus versicherungstechnischen Gründen erst am zweiten Tag erlaubt ist. Wir steigen in ein Taxi ein und erreichen schließlich nach einigen Umwegen – der Taxifahrer hatte die Hausnummer einem anderen Teilstück des Kingsway zugeordnet – im Days Inn Metro (2075 Kingsway). Die Taxifahrt hat schließlich rund 40,- CA-$ gekostet. Wenigstens haben wir schon einen kleinen Einblick in die Metropole erhalten...

Die Zimmer im Days Inn sind ordentlich und sauber. Sie entsprechen dem Standard nordamerikanischer Motelketten. Die Blumenanlagen sind sehr gepflegt, vor allem der Innenhof versprüht ein mediterranes Flair und lässt erste Urlaubsgefühle aufkommen. Die Buchungen für die erste und letzte Nacht in Vancouver haben wir im Internet vorgenommen.

Von der nahe gelegenen (15 Minuten Fußweg) „Nanaimo Station“ geht es nun mit dem Skytrain (pro Fahrt: 1,75 CA-$) in Richtung Downtown. In der Umgebung des „Days Inn“ und der „Nanaimo Station“ wohnen überwiegend Asiaten in kleinen, einfachen Häusern. Der Skytrain, der zwischen Waterfront Station (Nahe Canada Place) und King George (Surrey) verkehrt, wurde im Rahmen der EXPO 1986 gebaut und ist eine sehr gute Möglichkeit, die City „von oben“ zu betrachten. Ähnlich wie die Hamburger Hochbahn bewegt sich der Nahverkehrszug auf einer „Fahrbahn auf Stelzen“ und bietet eine attraktive, schnelle und kostengünstige Möglichkeit, von den Vororten in die City zu gelangen. Trotz seines Namens fährt der „Sky“-train im Stadtkern teilweise unterirdisch. Wir erhalten einen ersten schönen Ausblick auf die Skyline von Vancouver, der größten Stadt in Kanadas Westen.

Nun sind wir in der „Robson Street“. Die Einkaufsmeile Vancouvers wurde nach einem der ersten Premierminister der Provinz benannt und bietet eine breite Auswahl an Geschäften: vom Edel-Designer über Kaufhäuser und Souveniergeschäfte bis zu Restaurants, Café. In einigen Geschäften der gehobenen Klasse kann sogar mit US-Dollar oder Yen bezahlt werden. Wie kann man einen Aufenthalt in Nordamerika anders beginnen als mit einem verspäteten Brunch bei Burger King? Dort genießen wir die Aussicht und beobachten die „Vancouverianer“, die geschäftig durch die Straßen schreiten. Der Altersdurchschnitt scheint hier recht niedrig zu sein, was vielleicht auch daran liegen könnten, dass zur Mittagszeit eher Studenten in der City unterwegs sind. Tatsächlich ist Vancouver eine sehr „junge“ Stadt, da 35 % der Bewohner zwischen 25 und 45 Jahre alt sind. Jeder dritte Einwohner Vancouvers ist chinesischer Abstimmung, womit die Pazifikmetropole die zweitgrößte chinesische Gemeinde außerhalb von China bildet. Manch einer spottet sogar, dass Chinesisch in naher Zukunft Französisch als zweite Sprache Kanadas ablösen könne. Wir schlendern in Richtung Waterfront, dem Hafengebiet am „Burrard Inlet“. Dort genießen wir die Aussicht auf die Skyline von Vancouver, die dem deutschen Fernsehzuschauer vielleicht schon aus Filmen und Serien wie unter anderem „Akte X“ bekannt sein könnte. Vancouver wird hier gerne als „Double“ für amerikanische Großstädte benutzt. In dieser Gegend werden viele Gebäude gebaut und modernisiert. Die gläsernen Skyscraper prägen das Stadtbild von Downtown Vancouver. In der Umgebung des Canada Place, des von gewaltigen weißen Segeln umgebenen Hotel- und Handeslzentrums, fand im Jahre 1986 die Expo statt. Im Hafen gibt es zwei schwimmende Tankstellen für Boote und Schiffe. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir North Vancouver, umgeben von dem im Nebel verschwindenden Küstengebirge. Die Bucht „Burrard Inlet“ bietet auch die Start- und Landebahn für Wasserflugzeuge, mit denen fast im Minutentakt Touristen einen Rundblick über die drittgrößte Stadt Kanadas erleben können. Als wir das fast mediterrane Ambiente an der Waterfront genießen, können wir nachvollziehen, warum die Vereinten Nationen Kanada bereits zum siebten Mal in Folge als Land mit der höchsten Lebensqualität eingestuft haben. In Vancouver ist dieser Lebens- und Freizeitwert spürbar, der die Stadt auch von den beiden Millionenstädten Toronto und Montreal unterscheidet. Seit Jahren schon streitet Vancouver mit San Francisco um den Titel „schönste Stadt in Nordamerika“. Das Urteil bleibt wohl jedem selbst überlassen!

Langsam nähert sich der Abend und wir machen uns auf, die gastronomische Szene von Gastown, dem ältesten Bezirk Vancouvers zu erkunden. Dort gibt es neben den vielen Touristen-Shops zwei sehenswerte Wahrzeichen. Zum einen die Statue von Stadtgründer Jack „Gassy“ Deighton, der im Jahre 1867 mit einem Whiskyfass auf seinem Kanu den Fraser River herunter paddelte und als Goldsucher am „Burrard Inlet“ anlandete. Schnell eröffnete er hier, in dieser noch unbesiedelten Gegend, einen Saloon. Er ahnte damals noch nicht, dass sich daraus die heutige 1,8 Millionen Einwohner zählende Pazifik-Metropole entwickeln würde. Als die Stadt offiziell am 6. April 1886 gegründet wurde, benannte man sie allerdings nach dem Seefahrer George Vancouver. Jack „Gassy“ Deighton wurde dennoch in „seinem“ Stadteil namentlich verewigt: sein Spitzname „Gassy“ floss in „Gastown“ ein. Neben dem „Vater von Gastown“ macht die „Steam Clock“ hier auf sich aufmerksam. Diese dampfbetriebene Uhr pfeift unter starkem Dampfausstoß alle 15 Minuten und bietet ein beliebtes Fotomotiv. Wir bewegen uns Richtung Chinatown, das südöstlich an Gastown angrenzt. Ein US-Amerikaner klärt uns über dieses Viertel auf: „Ihr solltet hier nicht weitergehen. Diese Gegend ist nicht gut.“ Aber, er beruhigt uns auch: „Wir sind nicht in den USA. Hier wird nicht geschossen.“ Trotzdem machen wir kehrt und genießen die Abendstunden in einem vorzüglichen Thai-Restaurant in Gastown (Water Street). Recht früh geht es per Skytrain ins Days Inn zurück, da uns die Zeitumstellung mit zunehmender Dauer doch zu schaffen macht.

2. Tag Vancouver – Sasquatch Povincial Park (07. September)
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An unserem ersten Morgen in Kanada ist das Wetter sonnig und recht warm. „Breakfast“ ist im Hotelzimmerpreis eingeschlossen und besteht aus einem Gutschein für den benachbarten McDonalds! Nach dieser amerikanischen Schnellmahlzeit zu früher Stund‘ fahren wir mit dem Skytrain Richtung Stanley Park. Diese grüne Halbinsel, die sich nur einige Gehminuten westlich von Downtown befindet, ist über vier Quadratkilometer groß und bietet den Einwohnern eine Oase der Ruhe. Der Stanley Park liegt unterhalb der Lions Gate Bridge, die einst die größte Hängebrücke im britischen Empire war und heute in Konkurrenz zur Golden Gate Bridge in San Francisco steht. Die Erbauung der Brücke wurde damals von der Guiness Familie privat finanziert. Ein Geschenk an die Stadt Vancouver! Wir spazieren durch den Park und erfreuen uns an der Natur, dem Blick auf die Skyline sowie den ausgestellten „Kwakiutl“- und „Haida“-Totems der Ureinwohner Kanadas – und natürlich unserem Urlaubsstart.

Zurück in Downtown versäumen wir es nicht, der berühmten amerikanischen Cafe-Kette „Starbucks“ einen Besuch abzustatten und den „Iced Cold White Chocolate“-Kaffee zu genießen. Da wir in den Mittagsstunden von unserem Camper-Vermieter „Cruise Canada“ vom Flughafen abgeholt werden, geht es langsam zurück ins Days Inn Metro. Mit dem Taxi müssen wir wiederum zum Flughafen fahren. „Cruise Canada“ bietet nur Abholservice von den Flughafen-Hotels an, die übrigen Fahrten müssen selbst organisiert werden.

Im „Cruise Canada“-Office erhalten wir eine ausführliche (Video-)Einweisung (auf deutsch) in den „Gebrauch“ eines Wohnmobils bzw. Campers. Wir haben uns für einen T 19-Camper (18-21 feet) entschieden, da uns dieser für zwei Personen ausreichend erscheint und kostengünstiger (auch in „Nebenkosten“ wie Benzin) als ein größeres Wohnmobil ist. Neben einem Frischwassertank (75 Liter) verfügt der Camper über einen Zwei-Flammen-Gasherd, Kühlschrank (Gas), Warm-Wasser-Bereiter, Dusche/ WC, Heizung, Sitzecke und ein Alkoven-Bett (1,30 m x 2,20 m). In unserem Buchungspreis ist eine Haftpflichtversicherung (Deckungssumme 3 Mio. DM) sowie eine CDW (Collision Damage Waiver: Versicherung für das eigene Fahrzeug) mit einem Selbstbehalt von 4.500,- CA-$ enthalten. Wir hätten noch die Möglichkeit, unsere Selbstbehalt-Summe vor Ort mit einer Zusatzversicherung (VIP: 14,- CA-$ oder VIP-Plus: 20,- CA-$ pro Tag) zu verringern. Wir entscheiden uns gegen eine zusätzliche Versicherung, da die häufigsten Schäden aus Rückwärtsfahren sowie Reifenpannen ohnehin nicht enthalten wären. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall eines Schadens an der Frontscheibe lohnt sich nach unserer Rechnung die Zusatz-Versicherung nicht, da die Reparatursumme nicht höher ist als die Versicherungsprämie. Wir müssen eben bei „kritischen Situationen“ aufpassen, da die Eigenbeteiligung mit 4.500 CA-$ (rund 3.200 Euro) recht hoch ist. Viele Schäden müssen vollständig bzw. je nach Versicherungsart zu einem bestimmten Anteil vom Mieter übernommen werden. Dazu gehören auch Rangierschäden oder Schäden am Dach. Die Kaution von 750,- CA-$ wird vom Vermieter zunächst per Kreditkarte abgebucht und nach der Reise verrechnet bzw. zurückgebucht. Neben den Ausstattungspakten („Fahrzeug-Paket“, „persönliches Paket“) haben wir uns schon vor Beginn der Reise entschieden, zwei Meilenpakte à 1.600 Kilometer zu erwerben, da in unserer Buchung keinerlei Kilometerleistungen enthalten sind. 3.200 Kilometer erscheinen uns realistisch für eine dreiwöchige Kanada-Reise. Wir haben unsere Fahrleistung gut eingeschätzt: am Ende der Reise stehen 3.700 Kilometer mehr auf dem Tacho. Die 500 Zusatz-Kilometer werden beim Vermieter einzeln abgerechnet.

Nun ist der spannende Moment gekommen und wir dürfen einen ersten Blick in unseren Camper werfen. Das fast nagelneue Gefährt (18.330 KM) ist wesentlich größer als wir erwartet haben. Es bietet ausreichend Platz für zwei Personen. Unser Gepäck können wir leicht in den Schränken verstauen. Nachdem uns eine Mitarbeiterin von Cruise Canada die genaue Funktionsweise des Abwassertanks, der Frischwasserzufuhr, der Heizung, des Propangases, des Kühlschranks etc. erklärt hat, kann es endlich los gehen.

In diesem Ford-„Pick Up“ sitzen wir sehr hoch und kommen uns wie in einem schwebenden Raumschiff vor. Unsere erste Fahrt führt uns zum „Safe Way“-Supermarkt in der Nähe der Vermietstation. Dort können wir die Vielfalt kanadischer Supermärkte erfahren. Es gibt alles in erstaunlichen Mengen. Wir decken uns mit dem Lebensnotwendigen für die ersten Tage ein (Preise sind ca. 40 Prozent höher als in Deutschland). Nachdem wir in „Vancouver Area“ etwas die Orientierung verloren haben, schaffen wir es doch, über den Trans Canada Highway und die Route No. 1 in Richtung Harrison Hot Springs, unserem Ziel für die erste Nacht, zu fahren.

Wir haben uns entschieden, am Anfang der Reise den Süden von British Columbia zu erkunden. Das südlich gelegene Okanagan Valley ist für seine hohen Temperaturen und vielen Sonnenstunden, die wir auch jetzt noch – Anfang September – genießen möchten, bekannt. Über den Glacier National Park soll uns unsere Reise dann in den Yoho und Banff National Park führen. Nach einem kurzen Abstecher nach Calgary soll es dann über die Nationalparks Banff und Jasper auf der nördlichen Route wieder zurück nach Vancouver gehen. Von dort ist dann die Überfahrt nach Vancouver Island geplant, wo wir die letzte Woche unseres Kanada-Aufenthaltes verbringen möchten.

Auf einer Fähre überqueren wir den Fraser River und genießen zum ersten Mal die kanadische Wildnis: blaues Wasser, dichte grüne Wälder, idyllische Berge sowie ein weiter Horizont. So haben wir uns den Traum von Kanada vorgestellt! Am frühen Abend erreichen wir schließlich Harrison Hot Springs. Das Städtchen ist für seine heißen Quellen bekannt und hat den Charakter eines Kurortes. Dort schauen wir uns nach einer Camping-Übernachtungsmöglichkeit um.

Wir entscheiden uns, zu den Sasquatch Provincial Park Campgrounds, die rund zehn Kilometer weiter am Ostufer des Harrison Lake liegen, zu fahren. Nach einer kleinen (ungewollten) Erkundungstour sind wir schließlich auf dem gut gefüllten Campingplatz gelandet. Wir suchen uns einen der wenigen freien Plätze und meistern die ersten Einpark-Hürden mit Bravour. Der Sasquatch Provincial Park ist riesig und in verschiedene Campgrond-Areas unterteilt. Neben den vielen, schön hergerichteten Plätzen, die sich alle mitten im Wald befinden, bietet der Park einen Swimming-Pool, Amphitheater, Spielplatz und mehrere „Trails“. Nun steht uns das Kochen bevor und wir entdecken ein kleines Problem: Der Gasherd lässt sich natürlich nur mit Feuer in Gang setzen, das dafür notwendige Feuerzeug haben wir im Supermarkt vergessen. Wir wissen uns zu helfen: Der Zigarettenanzünder im Fahrzeug erfüllt auch seinen Dienst. Als der Gasherd endlich entzündet ist, hören wir lautstark das nächste Problem: der Rauchmelder. Auch er tut seinen Dienst und lässt dies auch die übrigen Campingplatz-Gäste wissen. Nach diesen ersten Kochversuchen entschließen wir uns endgültig: heute bleibt die Küche kalt. Wir wollen uns morgen (bei Tageslicht!) erst mit dem Camper vertraut machen. Das „Zubettgehen“ klappt dafür reibungslos und wir genießen die erste Nacht in unserem neuen Zuhause. Wir können nun auch verstehen, warum es versicherungstechnisch nicht erlaubt ist, den Camper direkt nach der Ankunft in Kanada zu übernehmen.

3. Tag Harrison Hot Springs – Okanagan Lake (08. September)
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Am Harrison Lake genießen wir einen wunderschönen, sonnigen Morgen. Wir fahren einige Kilometer zurück in Richtung Harrison Hot Springs, wo zur Zeit der alljährliche Sandburgen-Wettbewerb (Preisgeld: 39.000 CA-$) stattfindet. Bei dieser Ausstellung am Strand („Sand Castle Contest“ www.harrisand.org) werden die schönsten Sand-Skulpturen weltweit der Öffentlichkeit präsentiert und prämiert. Wir staunen über die aufwendige Detailarbeit der Künstler, erfreuen uns an vielen verschlungenen Palast-, Burg-, Statuen-, Flugzeug- und Tier-Sandbauten. Die Kunstwerke sind bewundernswert und klug durchdacht. Ohne eine genaue Zusammenstellung der Gesteinsmischung und einer kontinuierlichen Wasserzufuhr bleibt nichts zusammen und zerfällt wie eine Sandburg in alten Kindestagen. Dabei kommt es im wesentlichen auf die sorgfältige Verdichtung des Sandes an, bevor mit kleinen Werkzeugen und geschickten Händen Konturen in den feuchten Sand gebracht werden können.

Nachdem ich ein kurzes Bad im doch recht kühlen Harrison Lake genommen habe, setzten wir unsere Kanada-Rundreise in Richtung Hope fort. Hope ist eine 7.000 Einwohner zählende Kleinstadt, in der in den 80ern Szenen für den Film „Rambo I“ gedreht wurden. Wir fahren zu der größten Attraktion: die Othello Quintette Tunnels. Auf einer stillgelegten Bahntrasse der Kettle Valley Railway, die bis zum Jahre 1959 Vancouver mit Nelson verband, liegen in kurzen Abständen die zwischen 1911 und 1916 von Andrew McCulloch erbauten Tunnel. Nach einem kurzen Spaziergang in der malerischen Umgebung von Bergschluchten, einem grün-schimmernden Fluss und der singenden Vogelwelt erreichen wir die „Othellos“. Wir genießen den kurzen Gang durch die doch recht kühlen Tunnels und setzen bald unsere Fahrt zum Manning Provincial Park fort. In diesem dicht bewaldeten Park wagen wir die steile und enge Auffahrt zum Cascade Lookout. Weit oben werden wir mit einem wunderschönen Ausblick auf das Similkameen Tal und die Umgebung belohnt. Begleitet werden wir von vielen „Chipmunks“, den kanadischen Eichhörnchen.

Am frühen Nachmittag geht es weiter ins Okanagan Valley. Wir haben uns entschieden, den südlichen und damit auch wärmeren Teil British Columbias gleich zu Beginn unserer Kanada-Reise zu genießen, da wir uns noch einige September-Sonnenstrahlen erhoffen. Dieser Wunsch erfüllt sich: Die Temperaturen im Valley sind mit bis zu 30ºC recht hoch und wir bekommen von den jährlich rund 2.000 Sonnenstunden (Rekord für Kanada!) einige mit. Im Okanagan Valley, in dem sehr viele deutschstämmige Kanadier wohnen, gibt es viele Obst-Märkte, die die Anbauprodukte der Region verkaufen. Das Obst und Gemüse scheint in dieser Gegend hervorragend zu gedeihen, so große Tomaten haben wir noch nie gesehen.

Auf dem Weg zum Skaha und Okanagan Lake haben wir endlich den lebenden Beweis, wieso Kanada auch „Bear Country“ genannt wird. Wir entdecken unseren ersten Bären am Rande der Straße. Wow, es scheint ein junger Braunbär zu sein, der aber leider schnell das Weite sucht. Natürlich hoffen wir, dass wir im weiteren Verlauf der Reise noch näheren Kontakt zu Bären haben werden. Wir können uns schließlich in unserem Fahrzeug sicher fühlen und Bären greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen oder überrascht werden. So ist das!

Unser Nachtquatier schlagen wir heute im Illatue Beach Campground, in der Nähe von Summerland, auf. Dieser Campingplatz gehört zu den „Full Hook Up“-Anlagen, auf denen neben einem Stellplatz auch Wasser- und Stromanschluss zur Verfügung steht. Wir brauchen also nicht unseren Trinkwasservorrat in Anspruch zu nehmen oder die Autobatterie zu belasten. Die Fahrzeuge stehen hier dicht nebeneinander, Idylle kommt hier – obwohl direkt am Okanagan Lake gelegen - nicht richtig auf.

4. Tag Kettle Valley Railway – Revelstoke (09. September)
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An diesem wunderschönen Tag - die Sonne strahlt bei ca. 25ºC über das Okanagan Valley - fahren wir nach Summerland. Wir wollen zur Kettle Valley Railway, die ein Teilstück des berühmten, 18.078 Kilometer langen Trans Canada Trails (TCT) bildet. Dieser TCT-Teil entlang des Myra Canyon gehört zweifelsohne zu einer der schönsten Wander- und Radstrecken Kanadas. Dorthin gibt es auch einige deutschsprachig geführte Radreisetouren.

Wir durchqueren die wunderschöne Okanagan-Landschaft, vorbei an Weinanbaugebieten und dem traumhaften Okanagan-Lake, der mitten in einer Bergidylle liegt. Da die Touristen-Information in Summerland sonntags geschlossen ist, fahren wir weiter zu der „Hauptstadt“ des Okanagan Valleys, Kelowna. Die drittgrößte Stadt British Columbias macht auf uns einen sehr gepflegten und willkommenden Eindruck. Im Touristen-Magazin lobt sich die Stadt selbst als „Best City in Canada“. Das Tourist Office hat hier geöffnet und wir erhalten ausführliche Informationen, Tipps sowie eine detaillierte Wegbeschreibung für unseren Radausflug zum Myra Canyon.

Nachdem wir uns in Kelowna bei Sports Rent (3000 Pandosy St. www.okanaganbiz.com/sportsrent) zwei Montain-Bikes (je 26,- CA-$) ausgeliehen haben, geht es mit dem Camper und den darin verstauten Rädern auf einer „Gravel Road“ rauf zur Kettle Valley Railway und dem Myra Canyon. Die Fahrräder schaukeln, wir denken mit Schrecken an unsere Inneneinrichtung. Der Camper schwankt nach rechts und links, die Schotterstraße verlangt unser gesamtes Fahrgeschick und den zugeschalteten Allrad-Antrieb. Mit einiger Erleichterung kommen wir auf dem Parkplatz an und sehen, dass auch einige kanadische Familien ihren Sonntagsausflug hier beginnen.

Nach dem Motto „Rails to Trails“ (Schienen zu Pfaden) wurde hier auf der alten Bahntrasse (Bauende: 1914) ein Wander- und Radweg angelegt. Diese "Umfunktion" von einer Bahnstrecke zu einem Wanderweg ist nichts ungewöhnliches auf dem Trans Canada Trail. Es gibt viele Strecken, auch im Osten des Landes (Neufundland etc.), die auf diese Art und Weise für Einheimische und Touristen ein beeindruckendes Panorama liefern.

Insgesamt ist der Trans Canada Trail (TCT) mit 18.078 Kilometern der längste Wanderweg der Welt. Der durchgängige Trail verbindet dabei alle kanadischen Provinzen und Territorien vom Pazifik zum Atlantik und dem Nord-Polarmeer miteinander. Die Idee dieses beeindruckenden, transnationalen Wanderweges wurde im Jahre 1992 von der "Canada 125"-Initiative geboren und soll bis zum Jahre 2005 in ganz Kanada vollständig abgeschlossen sein. Neben Wandern und Radfahren gibt es noch drei weitere Kern-Aktivitäten (Reiten, Snowmobil, Ski-Langlauf), die auf dem Trail möglich sein sollen. Für den Bau und die Bereitstellung des TCT sind die kanadischen Provinz-Organisationen verantwortlich. Sie betreuen die einzelnen Teilstücke und verwirklichen Stein für Stein die große Vision des Trans Canada Trails. Finanziert wird der Trail hauptsächlich über Spenden. Jeder kann sich damit an dieser großartigen transnationalen Idee beteiligen. Auch für Touristen gibt es die Möglichkeit, sich für den TCT einzusetzen und sich sogar zu verewigen. Für 50,- kanadischen Dollar kann ein Teilstück des Trails gekauft werden. Dafür darf sich der stolze TCT-Besitzer ein kleines Denkmal setzen und sich namentlich in einem der landesweit 55 "Trail Pavillions" eintragen. Auf der Kettle Valley Railway ist dies in Penticton und Hope möglich. Weitere Infos gibt es hier!

Auf der Kettle Valley Railway fahren wir auf zwölf Kilometern über 18 Brücken und zwei Tunnels. Die Strecke und ihre teilweise 100 Meter langen restaurierten Holzviadukte führen um den Myra Canyon und bieten hervorragende Ausblicke. Eine der beeindruckendsten Radstrecken, die wir jemals gesehen haben. Wunderschön und sicherlich einer der Höhepunkt eines jeden Kanada-Aufenthaltes!

Nach dieser Radtour auf dem Trans Canada Trail geht es wieder „down the hill“. Auch diese schwankende Abfahrt überstehen wir und liefern unsere Mountainbikes ordnungsgemäß wieder ab. Unser nächstes Ziel ist Revelstoke (email: info@revelstokecc.bc.ca), das zwischen dem Zusammenfluss des Illecillewaet und Columbia River liegt. Dort gibt es den Williamson Lake Campground (1818 Williamson’s Lake Road; 19,26 CA-$), den wir für die Nacht aufsuchen wollen. Freundlich werden wir von einem Schweizer begrüßt, der uns einen lauschigen Platz zuweist. Wir genießen den Abend typisch Kanadisch: Mit Grillfleisch, Kartoffeln und einigen Budweiser. Später lassen wir den Tag an dem zugehörigen See, an dem man tagsüber Tretboote oder Kanus ausleihen kann, ausklingen. In diesem Idyll kann man sich gut vorstellen, der Großstadt einmal den Rücken zu kehren.

5. Tag Revelstoke – Yoho National Park (10. September)
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Auf dem heutigen Programm steht der Glacier National Park, eine Berglandschaft mit über 400 Gletschern. Der Glacier National Park (www.parkscanada.pch.gc.ca/glacier; e-mail: revglacier_reception@pch.gc.ca) bietet einige der besten Wanderwege Kanadas, die auch wir heute in Angriff nehmen wollen.

In der Touristen-Information kaufen wir den „Great Western Annual Pass“ (70,- CA-$ pro Familie, Fahrzeug). Dieser Pass berechtigt zum Eintritt in die Nationalparks West-Kanadas und enthält Vergünstigungen für Campingplätze, Sehenswürdigkeiten etc.. Wir lassen uns von der freundlichen Mitarbeiterin beraten und entscheiden uns für den ca. vier- bis fünfstündigen Glacier Crest Trail (4,8 km, 795 m Höhenunterschied). Es soll ein nicht allzu schwieriger Trail sein, der sich allerdings in der Endphase etwas steiler und anstrengender gestalten soll. Dies versichert uns die Dame. Wir wagen es und beginnen mit kompletter Ausrüstung (Trekking-Schuhe, Schal, Handschuhe) unsere Wanderung. Natürlich gibt es auch hier Bären, sie wurden sogar vor Kurzem in der Nähe unseres Trails gesehen. Wir fürchten uns nicht und richten uns nach dem Rat der Ranger, uns laut zu unterhalten. Die ersten Meter laufen wir locker auf einem sehr guten Wanderweg, dann beginnt der steile Aufstieg, den wir nicht so schnell vergessen werden. Wir steigen immer höher, der Highway ist nur noch ein Strich, die Vegetation wird immer spärlicher. Nach rund zwei Stunden sind wir uns sicher: Wir haben nach diesem teilweise rasanten Anstieg bald den Gipfel erreicht. Dieser Gedanke begleitet uns noch die nächsten zwei Stunden auf die Spitzes des Berges. Nach einem kurzen Mittagssnack absolvieren wir auch die restlichen Meter über abenteuerliches Geröll und sind überglücklich, als wir endlich - nach 800 Höhenmetern - „oben“ sind. Die schneebedeckten Zipfel sind nicht weit von uns entfernt, wir genießen die grandiose 360º Grad Aussicht und unsere Leistung. Nun müssen wir aber schon an den Abstieg denken, der zwar wesentlich zügiger voran geht, aber wegen der Gangart einiges an Muskelkater hinterlässt. Zudem ist man immer „sturzgefährdet“, da der Weg über teilweise lockere Steine führt. Natürlich muss man auf Grund der Verletzungsgefahr immer vorsichtig sein, da der Trail nicht stark von Wanderern frequentiert ist (ca. vier Personen in fünf Stunden).

Nach insgesamt fünf Stunden haben wir wieder unseren Camper erreicht und genehmigen uns – total erschöpft – eine riesige Portion Eiscreme. Diese Wanderung ging wirklich an die Substanz. Neben uns treffen zwei US-Amerikaner aus Idaho ein. Beide haben auf den Gletscher je einen Skier mitgenommen. Richtige „harte Jungs“, die dann auch eine Erfrischung im eiskalten Flusswasser genießen.

Weiter geht es nun zum Yoho National Park, wo wir nach einem Quartier für die Nacht suchen. Ein Campingplatz ist belegt, der andere geschlossen. Also übernachten wir auf dem benachbarten Parkplatz, den auch schon andere Camper aufgesucht haben. Eine kostengünstige und idyllische Übernachtungsmöglichkeit in freier Natur.

6. Tag Yoho National Park - Calgary (11. September)
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An diesem sechsten Tag unseres Kanada-Urlaubs, dem 11. September 2001 ahnen wir noch nichts von den Ereignissen im Nachbarland USA. Wir bekommen von den Terroranschlägen in New York und Washington D.C. nichts mit, wir entdecken nur einige Anzeichen, die wir aber erst später (am nächsten Morgen!) in Calgary zuordnen können.

Zu früher Morgenstunde fahren wir zur Natural Bridge, die im Herzen des Yoho National Parks liegt. Die Natural Bridge ist eine malerische Felsen-„Brücke“, die über den Kicking Horse River führt. Glasklares Wasser hat sich hier über die Jahrtausende einen Weg durch den Fels gebahnt und dabei einen kleinen Felsbogen geschaffen. Beeindruckt fahren wir zum nahegelegenen Emerald Lake, einem grünlichen, ebenfalls glasklaren See, in dem sich die grandiose Berg- und Waldlandschaft spiegelt. Je nach Lichteinfall verändert der See seine Farbe, von hell türkis über smaragdgrün bis dunkelgrün. Sogar die wenigen Wolken finden ihr Abbild in einem der pittoresksten Seen in Kanada. Wir bleiben einige Minuten und genießen die morgendlichen Ruhe bei doch recht kühlen Temperaturen. Glücklicherweise wird es hier in den Bergen durch die starke Sonneneinstrahlung schnell wärmer.

An den Spiral Tunnels, den spiralförmig angelegten Eisenbahn-Tunneln, geht es weiter zu den Takakkaw Falls. Vom Parkplatz aus, auf dem gerade eine Gruppe Japaner angekommen ist, gehen wir einen kurzen Pfad bis zu den 284 m tief herunterstürzenden Wassermassen. Wir sind froh, dass der Weg nicht so weit ist, da wir die gestrige Wanderung in unseren Knochen spüren.

Später wollen wir dennoch auch heute einen kleinen Spaziergang unternehmen. Welche malerische Kulisse eignet sich da besser als Lake Louise. Der von den Indianern „Lake of the Little Fishes“ genannte Bergsee wurde im Jahre 1884 zu Ehren von Prinzessin Louise Caroline Alberta benannt. Er ist der wohl meistbesuchte und meistfotographierte See der Welt. Das Chateau Lake Louise (1890 gebaut), ein Nobelhotel, liegt wunderschön am Ufer. Heute Ausgangspunkt für Skitouristen wurde es damals als Hotel an der Atlantik-Pazifik-Bahnstrecke „Canadian Pacific Railway“ um 1880 auf Geheiß von William Cornelius von Horne gebaut. Von Horne ließ damals eine Reihe von schlossartigen Hotels bauen, unter anderem auch das prächtige Banff Springs Hotel. Während die luxuriösen Prachtbauten bis heute erhalten geblieben sind und sich weiter entwickelt haben, gibt es die Bahnstrecke seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Natürlich sind wir hier nicht die einzigen Besucher, viele Reisegruppen und Individualtouristen genießen das Ambiente. Wir entscheiden uns, den Plain of Six Glaciers Trail in Angriff zu nehmen. Dieser Trail gehört zu den wohl schönsten Wanderwegen im Nationalpark. Dies können wir bestätigen. Wir wanden - zunächst am Ufer des Sees entlang - hinauf zu den schneebedecken Gletschern. Der zweistündige Aufstieg ist allerdings nicht mit der Wanderung von gestern zu vergleichen. Am sehr schönen Aussichtspunkt über der Ebene der sechs Gletscher liegt ein Tea House, in dem kleine Erfrischungen sowie Kaffee und Kuchen angeboten werden. Genauso wie damals im Jahre 1924, als das Haus als Berghütte von Schweizer Arbeitern errichtet wurde, muss auch heute noch alles mit Lasteseln den steilen Pfad hinauf transportiert werden. Die Eselsspuren auf dem Trail und die Preise auf der Speisekarte bestätigen das.

Nachdem wir wohlbehalten den Abstieg gemeistert haben, geht es weiter zum südlich gelegenen, 13 Kilometer entfernten Moraine Lake. Der See macht einen idyllischeren Eindruck als Lake Louise, auch ist er von Touristen weniger stark besucht. Am Ufer liegen unzählige Baumstämme, auf denen wir eine kurze Rast einlegen.

Durch den Banff National Park geht es weiter Richtung Calgary. Dort übernachten wir auf dem KOA Campground (26,96 CA-$), bei dem wir gleich am Eingang eine Einweisung in die Verhaltensregeln („Park Rules“) erhalten. Dieser Campingplatz, der zu den teuersten unserer Reise gehört, ist wieder einmal ein „Full Hook Up“. Davon können wir hier nicht unbedingt profitieren: die Wasserstelle ist mit unserem Schlauch nicht erreichbar, der Stromanschluss ist zu weit vom Stellplatz entfernt. Hier stehen die Fahrzeuge dicht an dicht und es gibt keinen einzigen Baum auf dem gesamten Gelände. Diese Situation erinnert eher an einen typisch europäischen Campingplatz. Den KOA-Calgary würden wir nicht weiterempfehlen. Wir ahnen immer noch nichts von den Terroranschlägen in den USA.

7. Tag Calgary – Banff National Park (12. September)
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An diesem Morgen entscheiden wir uns für einen kurzen Besuch des nahe gelegenen Olympia-Geländes (Ticket-Preis: 5,- CA-$). Dort fanden im Jahre 1988 die Olympischen Winterspiele statt. Wir können kaum glauben, dass hier vor rund 13 Jahren ein derartiges Großereignis ausgetragen wurde. Die Anlagen machen einen recht alten und ungepflegten Eindruck. Zudem ist das Gelände recht klein. Wie können hier Tausende von Zuschauern Platz gefunden haben? Wir schauen uns die große, aber wohl seit einigen Jahren unbenutzte Bob- und Rodelbahn an. Gigantisch sind die vier Sprungschanzen. Wir fahren mit dem Aufzug zum Start der Schanze und genießen den Respekt einflößenden Ausblick, den Sven Hannawald und Co. vor ihren Sprüngen haben. An der kleinen Schanze wagen einige Sportler den Sprung in die Tiefe. Wir verlassen das Olympiagelände wieder und schauen uns das „Olympic Hall of Fame and Museum“ an. Dort gibt es viele Fotos, Souvenirs, Kleidungsstücke, Pokale etc. der Olympischen Spiele 1988 in Calgary zu sehen.

Weiter geht es nun in die Innenstadt von Calgary (www.tourismcalgary.com). Alljährlich findet hier im Juli die Calgary Stampede (http://calgary-stampede.com) statt, das Großereignis im Westen Kanadas und die „greatest outdoor show on earth“. Dann steht Calgary zehn Tage lang im Zeichen von Western und Rodeo. Auf Grund der begrenzten Parkmöglichkeit in Downtown parken wir in einem Vorort und nehmen an der nächstgelegenen Station die Straßenbahn. Auf dem Bahnsteig spricht uns eine ältere Dame an. Sie fragt uns, ob wir denn schon „etwas Neues“ wüssten. Wir schauen sie verdutzt an. In den USA sei ein schrecklicher Terroranschlag passiert, wir müssten unbedingt den Fernsehr einschalten. Wir sind zunächst ungläubig und kaufen gleich eine Zeitung, um uns über das Wichtigste zu informieren.

Dieser Tag in Calgary hat natürlich unter den Ereignissen in den USA gelitten. Die Stimmung in der Stadt ist sehr bedrückt, überall hängen Trauerfahnen, die Kinos, Theater etc. sind geschlossen. Wir gehen langsam durch die Fußgängerzone und schauen auf die gläsernen Bürokomplexe. In der Shopping Mall am Toronto Dominion Square besuchen wir den Devonian Garden: Ein künstlich angelegter über ein Hektar großer Garten mit vielen Pflanzen und künstlichen Wasserfällen auf der vierten Etage eines Einkaufscenters. Durch Downtown, vorbei an den sich spiegelnden Wolkenkratzern, gehen wir zum Prince‘s Island Park und genießen auf einer Parkbank am Bow River die Sonne.

Am späten Nachmittag setzen wir unsere Reise in Richtung Banff National Park, dem ältesten Nationalpark Kanadas, fort. Mit vier Millionen Besuchern im Jahr ist der 6.640 Quadratkilometer große Banff N.P. der beliebteste Nationalpark Canadas. Im Tunnel Mountain Campground (16,- CA-$) schlagen wir unser Nachtquartier auf. Ein riesiger Campingplatz, auf dem man erst ein ganzes Stück fährt, um seinen Stellplatz zu erreichen. Die Plätze liegen wunderschön im Wald, die Entfernung zum Nachbarn ist recht groß. Mit ausreichend Feuerholz erfreuen wir uns der Einsamkeit in der Natur.

8. Tag Banff National Park - Jasper National Park (13. September)
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Kurz nachdem wir den Campground verlassen haben, genießen wir den Blick auf die Tunnel Mountain Road und die riesige Weite Kanadas. Wir fahren einige Kilometer weiter nach Banff City. Ein hübsches Städtchen inmitten der Rocky Mountains. Nachdem wir uns in der Tourist-Information kurz über die Sehenswürdigkeiten im National Park informiert haben, schlendern wir gemütlich durch die Hauptstraße des kleinen, aber berühmten Wintersportortes, in der sich viele Souvenir- und Bekleidungsgeschäfte niedergelassen haben. Natürlich wollen wir auch einen Blick auf das berühmte Banff Springs Hotel werfen. Auch dieses Hotel wurde wie das Chateau Lake Louise auf Geheiß von William Cornelius von Horne gebaut. Der Palastartige Bau bietet für seine Gäste heute allen erdenklichen Luxus. Wir spazieren über den Bow River und haben einen sehr schönen Ausblick auf das Schloßartige gigantische Hotel. Ein schöner Spaziergang am frühen Morgen.

Etwa 25 Kilometer von Banff entfernt geht es zum Johnston Canyon. Dieser Canyon, der in den Reiseführern nur am Rande erwähnt wird, ist den Abstecher wert. Wir gehen auf an der Felswand befestigten Holzstegen zu den Lower Falls, vorbei an engen Schluchten und einem brodelnden Fluss. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Wasserfälle. Unmengen von Wasser fallen hier in einen glasklaren See. Da uns die Landschaft sehr gut gefällt - das Wetter spielt natürlich auch mit - gehen wir weiter zu den Oberen Wasserfällen. Eingerahmt von tiefen, dunklen Felsen ergibt das aus der Höhe stürzende Wasser ein malerisches Bild.

Im Anschluss an diese kleine Wanderung genießen wir die Wildnis Kanadas, auf einem kleinen Rastplatz am Rande der Rockies. Dort gibt es ein asiatisches Mittagsmahl. Nun fahren wir weiter zu einem der schönsten Seen Kanadas, dem Peyto Lake. Dieser See besticht durch seine türkise Farbenwelt. Gemeinsam mit einer Schar deutscher Busurlauber gehen wir die wenigen Meter zum Aussichtspunkt. Dort erwartet uns der prächtige Peyto Lake, inmitten dichter Wälder. Im Hintergrund bilden die Rocky Mountains eine malerische Kulissen für den prächtigen See, der seine intensive Farbe mit den Jahreszeiten wechselt. Das Foto-Shooting hat sich hier wahrlich gelohnt. Neben uns sprechen Landsleute in ihre Videokameras. Wir hören die Worte „beeindruckend“, „unglaublich“. Es ist nur schade, dass es keinen direkten Weg zum See gibt. Also gehen wir wieder zurück zu unserem Camper.

In Richtung Jasper National Park, einem der „berühmten“ Nationalparks Kanadas und mit 10.878 km² vier Mal so groß wie Luxemburg, gelangen wir an diesem Nachmittag zum Columbia Icefield. Die Eisfläche ist 325 Quadratkilometer groß und 385 Meter tief. Der Athabasca Glacier ragt auf der riesigen Fläche hervor. Wir sehen einige Snowmobiles (umgebaute Busse, mit denen man sich über den Gletscher fahren lässt), die über das Icefield hinwegsausen. Wenn auch die einzige, dann doch aber bestimmt keine ökologisch sinnvolle Art und Weise, den Gletscher zu erklimmen. An aufgestellten Markierungen lässt sich erkennen, wie stark der Gletscher bereits abgeschmolzen ist und sich immer weiter zurückzieht. Vor 30 Jahren war der über 100 Meter entfernte heutige Parkplatz noch vollständig mit Eis bedeckt. In den nächsten Jahren soll sich die Eisschmelze auf Grund des Klimawandels noch schneller vollziehen.

In der Nähe des Columbia Icefield beginnt auch die Route 93, der Icefields Parkway. Diese Strecke gehört zu den schönsten in den Rockies und schlängelt sich entlang an beeindruckenden Gebirgslandschaften zum Jasper National Park.

Unser heutiges Nacht-Quatier schlagen wir im Whistlers Campground (16,- CA-$) im Jasper National Park auf. Der Platz liegt im Revier eines Elchbullens und seiner Kühe, die sich völlig unbeeindruckt von den vielen Campern auf dem Gelände bewegen. Mit Lagerfeuer und einem traditionell amerikanischen Essen beenden wir diesen erlebnisreichen Tag.

9. Tag Jasper National Park – Mount Robson (14. September)
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„Uhhhh“ tönt es heute morgen, als ich aus dem großräumigen Duschhaus treten. Da entdecke ich schon das Objekt der Begierde: ein Elch rekelt sich im Morgengrauen und genießt den Anblick auf die müden Menschengesichter. Elche können durchaus groß und kräftig und damit auch gefährlich sein. Nur schade, dass ich beim morgendlichen Duschen keine Kamera dabei habe. Bevor wir Whistlers Campground verlassen, ist ein Besuch in der Sani-Station nötig. Dort entleeren wir unsere diversen Abwassertanks und füllen den Camper mit frischem Wasser auf. Wir sind also für die Weiterfahrt gut gerüstet.

Maligne Canyon heißt am heutigen neunten Tag unsere erste Station. Dort freuen wir uns auf eine kleine Wanderung, die uns - vorbei an fünf Brücken - zu einem tobenden Wasserfall führt. Der Canyon ist spektakulär, da er über 50 Meter in die Tiefe abfällt. Auf der Rückfahrt werden wir von einigen Bergziegen gestoppt, die neugierig die vielen anhaltenden Autos beschnuppern. Ein willkommender Schnappschuss für die Besucher.

Bei strahlendem Sonnenschein setzten wir unsere Reise zum zugehörigen See fort, dem Lake Maligne. Dieser ist der zweitgrößte Gletschersee der Welt. Dort steigt auch meine Kanu-Premiere (ca. zwei Stunden: 32,10 CA-$) auf kanadischen Gewässern. In eine Rettungsweste eingehüllt genießen wir die Seeidylle. An den Ufern der spiegelglatten Wasserfläche ragen die teilweise schneebedeckten Berge der Rockies in die Höhe. Das Wasser ist glasklar und eiskalt.

Nun geht es weiter zum höchsten Berg der Rocky Mountains: Mount Robson (3.954 m). Diese Postkarten-Aufnahme lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Im kleinen und gemütlichen Visitor Center informieren wir uns über den weiteren Reiseverlauf.

Auf dem Weg zum Blue River Eleanor Lake Campsite begegnen wir einem Wolf. Diese Tiere sind in Kanada genauso zu Hause wie Bären und Elche. Der Campsite ist nett gelegen, wir sind fast die einzigen Gäste und suchen uns ein ruhiges Plätzchen in der Wildnis. Ganz ruhig wird die Nacht dann doch nicht, da sich unweit die kanadische Eisenbahn ihren Weg durch die Wildnis bahnt.

10. Tag Mount Robson - Clearwater Prov. Park - Kamloops (15. September)
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An diesem zehnten Tag unserer Reise durch Kanadas Westen geht es in den Wells Gray Provincial Park, der in den „Cariboo Mountains“ liegt. Nachdem wir uns im Clearwater Tourist-Informationen mit Sight Seeing-Tipps und Wegbeschreibungen eingedeckt und den kleinen Supermarkt zur Aufstockung unserer Essensvorräte aufgesucht haben, fahren wir zu den Spahats Creek Falls. Diese hohen Wasserfälle bahnen sich ihren Weg durch eine engumschlungene Höhle in die Tiefe eines Felsen. Beeindruckend! Wir genießen den kurzen Spaziergang, da hier auch die Anzahl der Besucher gering ist. Die Aussichsplattform macht einen abenteuerlichen Eindruck. Die Holzplatten ragen weit über die Felsen hinaus und bieten einen hervorragenden Ausblick auf die gegenüberliegende Schlucht.

Nach kurzer Fahrzeit erreichen wir die Dawson Falls. Sie bestechen vor allem durch ihre Breite, mit der sie in den Murtle River fallen. Wir entscheiden uns, von hier aus den rund dreistündigen Spazierweg zu den Helmcken Falls zu unternehmen. Man kann zwar auch mit dem Auto zu einer Aussichtsplattform fahren, jedoch war uns dieser Fußweg von der Touristen-Informationen als sehr schön empfohlen worden. Der Vorteil sei die günstige Lage zu den Falls (man befindet sich oberhalb der Fälle!) und der beeindruckende Ausblick, bei dem allerdings äußerste Vorsicht geboten sei, da es keinerlei Absturzsicherungen gäbe. Dies können wir nun „live“ miterleben. Es eröffnet sich uns ein abenteuerliches, grandioses Bild: Die Helmcken Falls stürzen in die Tiefe. Sie sind mit 137 Metern zwei Mal so hoch wie die Niagara-Fälle. Die volle Höhe vermögen wir gar nicht, auf ein Foto zu bekommen. Wir sehen die Wasserfälle – vor uns liegt eine steile Felswand, an der das Wasser herabstürzt. Natürlich wird uns unheimlich, als wir uns am Abhang des Felsens bewegen. Bloß nicht ausrutschen oder stolpern! Glücklicherweise „meistern“ wir diese kurze gefährliche Stelle und genießen in diesem wunderschönen Panorama einen kleinen Mittagssnack. Wir wandern auf dem engen, dichtbewachsenen Pfad, über teils umgestürzte Bäume, zu unserem Camper zurück. Dieser Spaziergang hat sich wahrlich gelohnt und ist (leider oder zum Glück!?) von Besuchern nicht sonderlich frequentiert. Der Wells Gray Provincial Park ist eine Reise wert, auch wenn dies nicht in jedem Reiseführer explizit erwähnt wird!

Auf dem Rückweg nach Clearwater entdecken wir unseren zweiten Bären, der sich in der Nähe von zwei Wohnhäusern aufhält. Leider ist er zu schnell verschwunden und wir können ihn nicht fotografisch festhalten. Unser zweiter Bär in Kanada! Während wir auf den Wanderwegen durchaus froh sind, keinem dieser doch recht großen Tiere zu begegnen, halten wir vom Camper aus stets Ausschau.

Weiter geht es nach Kamloops (www.city.kamloops.bc.ca), wo wir uns nur schwerlich für einen Campingplatz entscheiden können. Schließlich fahren wir zum Knutsford Campground (15,- CA-$), der auf einem kleinen Hügel liegt. Der Platz ist nicht sonderlich schön und recht eng. Außerdem sind hier einige Hunde in der näheren Umgebung, die uns vielleicht unser wohlverdientes „Lagerfeuer“-Grillen streitig machen könnten. Es geht gut – die Hunde halten sich zurück.

11. Tag Kamloops – Pemberton (16. September)
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Auf der Fahrt zwischen Kamloops und Pemberton genießen wir den Cariboo Country. Die Landschaft ist hier sehr trocken; statt durch dichte Nadelwälder schlängelt sich die Straße gesäumt von kargem Grasland um die Berge, am Rande des Thompson River. An einigen Stellen entdecken wir kleine Inseln im glasklaren Wasser. Manchmal liegt ein Boot vor dem kleinen Landfleck, es wohnen wohl Menschen dort.

Wir genießen die Fahrt und erreichen nach einem kurzen Tankstop in Lillooet die Duffey Lake Road. Abseits dieser engen Straße gibt es einige „Campingplätze“ (gratis!), die direkt am Wildbach gelegen sind. Dort wollen wir unser Mittagessen genießen. Die Zufahrten zu diesen malerischen Plätzen sind recht versteckt und überaus eng. Doch hat man den Weg erst gefunden, gelangt an einen klaren, kalten, rauschenden Wildbach. Es gibt nur wenige (ca. acht) Stellplätze und keine sanitären Anlagen. Wir sind die einzigen Besucher. Betreut werden diese Plätze von einem Ranger, der kurz vorbeischaut und sich nach unserem Wohlbefinden erkundigt. Es geht uns einfach gut!

Nach dieser Mittagsidylle setzen wir unsere Reise in Richtung Pemberton fort. Heute ist es recht warm. Wir erfreuen uns der Sonne am Duffey Lake. Gegen Abend suchen wir den Mairn Falls Provincial Park auf. Der Campingplatz im Park ist weitläufig und bietet sehr schöne Eckchen. Allerdings gibt es hier keine Duschen und nur ein Plumpsklo. Der nahegelegene kleine See lädt zu einem Erfrischungsbad ein, das aber auf Grund der sehr niedrigen Wassertemperatur recht schnell beendet ist. Wir entschieden uns für einen kleinen Platz, der direkt am Fluss gelegen ist. Hier genießen wir den Rest des Tages und erfreuen uns am lodernden Lagerfeuer.

12. Tag Pemberton - Vancouver (17. September)
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An diesem Morgen tritt ein bisher noch nicht erlebtes Phänomen ein: Es regnet! Während einer Kanada-Reise kann es natürlich passieren, dass das Wetter durchwachsen oder schlecht ist. Bisher durften wir einen wunderschönen (Spät)-Sommer erleben. Meistens hatten wir strahlenden Sonnenschein und die Temperaturen lagen zwischen 15

Als wir langsam Richtung Whistler Village, dem Skiort in den Rockies, fahren, verbessert sich die Wetterlage und die Wolken verziehen sich langsam hinter den Bergen. Whistler ist ein Dorf, das im „Hütten“-Stil gebaut wurde. Es sieht alles sehr künstlich aus. Nachdem wir vergeblich die Tourist-Information gesucht haben, parken wir unseren Camper und spazieren in den Ortskern. Dort gibt es endlich - nach zehntägiger Enthaltsamkeit – ein „Starbucks“. Wir setzen uns gemütlich in dieses Cafe der US-amerikanischen Kette und lassen uns von einem frischgebrühten Kaffee verwöhnen.

In Whistler haben sich nicht sonderlich viele Menschen an diesem noch jungen Vormittag verirrt. Es gibt Geschäfte, Vermietstationen (Fahrräder, Skier etc.), Restaurants, Cafes etc. en masse. Endlich haben wir auch die Tourist-Information gefunden, da wir mit dem Gedanken gespielt haben, Fahrräder auszuleihen. Beim Anblick der hohen Preise vergeht uns allerdings dieses Verlangen. Ein typischer Skiort, der auch in den Schweizer Alpen liegen könnte. Der Blick auf den lebensgrößen Bären gefällt uns da schon eher. So nah kommen wir diesem Tier wahrscheinlich nie wieder. Das ist wohl auch gut so!

Gegen Mittag setzen wir unsere Reise Richtung Vancouver fort. An den Shannon Falls, den zweithöchsten Wasserfällen Kanadas (335 Meter), halten wir kurz an. Sie bieten, wie alle „Falls“ zuvor, ein beeindruckendes Bild. An der Küste und der nebligen Berglandschaft führt uns die Straße durch Britannia Beach. Dort besuchen wir das „Minning Museum“ (www.bcmuseumofmining.org; 18,50 CA-$ für zwei Personen), eine stillgelegte Kupfermiene. Die Mienenbahn, die durch die Stollen in den Berg fährt, ist eine wahre Attraktion. Unser Tour-Guide macht uns mit den Arbeitsverhältnissen der Arbeiter vertraut und weiht uns in den Gebrauch der wichtigsten Gesteinsarten und Gegenstände ein. Interessant sind vor allem die unterirdischen Toiletten. Natürlich gibt es hier auch das traditionelle Goldwaschen „Gold Panning“. Immerhin können wir einige Milligramm Gold aus dem Wasser fischen (nachdem wir es vorher im Shop gekauft und dann ins Wasser gegeben haben!) und als schönes Andenken nach Hause nehmen. Nach einem kurzen Abstecher ins Mining Museum ist der Capilano Park (www.capbridge.com) mit seiner berühmten Brücke unser nächstes Ziel.

Hier ist es nun richtig touristisch und das Gegenteil von dem, was wir bisher in West-Kanada gesehen haben. Auch die hohen Eintrittspreise (ca. 20,- CA-$ für zwei Personen) lassen uns an der Kasse zögern, wir sind aber letztlich sehr froh gewesen, diese außergewöhnliche Brücke kennengelernt zu haben. Die 140 Meter lange Hängebrücke wurde im Jahre 1956 mit Hilfe vorgedehnter Drahtseile, die in 13 Tonnen Zement an beiden Seiten verankert wurden, gebaut. Sie spannt sich über die 70 Meter tiefe Capilano Schlucht und gerät bei jedem Schritt eines Besuchers ins Wackeln. Obwohl es ein komisches Gefühl ist, auf einer hohen, sich bewegenden Brücke in die Tiefe zu blicken, fühlt man sich recht sicher. Gelangt man auf die andere Seite, wartet ein erfrischender „Lebendiger Wald“, der – glücklicherweise – nicht so stark frequentiert ist. Wir genießen die wenigen ruhigen Minuten am „Three Sister“-Teich und kehren anschließend in den Kern des Capilano Parks zurück. Dort werden Zertifikate für das erfolgreiche Überqueren der Brücke („I made it“) ausgehändigt. Natürlich kann man sich mit „Capilano“-Andenken eindecken. Die zahlreichen Souveniers werden hier von Ureinwohner geschnitzt. Für die komplette Bären-Familie, die freudig am Klavier sitzt, bleibt wohl kein Platz mehr im Flugzeug.

Über die Lions Gate Bridge geht es zum Campground Park Canada Delta (www.parkcanada.com; 23,- CA-$), einem Campingplatz, der (außerhalb von Vancouver) nur wenige Minuten entfernt von der Fähre nach Vancouver Island eine günstig gelegene Übernachtungsmöglichkeit bietet. Die Stellplätze sind hier sehr eng und erinnern sehr an die Verhältnisse auf einem deutschen Campingplatz. Wenigstens gibt es gute Waschmöglichkeiten und wir können mit einem frischen Bündel an Klamotten am nächsten Morgen nach Vancouver Island starten.

13. Tag Vancouver - Victoria (Vancouver Island) (18. September)
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Die Fähre legt pünktlich um 9.00 Uhr von Tsawwassen (35 Kilometer südlich von Vancouver City) nach Swartz Bay auf Vancouver Island (www.bcferries.com; 65,25 CA-$ pro Strecke; abhängig von Fahrzeuglänge!) ab. Endlich geht es auf die Insel! Die rund zweistündige Fahrt durch die Meerenge der Strait of Georgia ist sehr schön, obwohl es bewölkt ist. Vielleicht sollten wir uns schon an die Wetterverhältnisse auf Vancouver Island gewöhnen. Dort soll es meistens regnen! Es scheinen wohl nur wenige Menschen auf den malerischen Gulf Islands, durch die sich die Fähre ihren Weg sucht, zu leben. Die Bedingungen an Bord sind sehr gut. Es gibt viele Sitzplätze auf und unter Deck, Speisen und Getränke.

Vancouver Island ist die größte Insel vor der Westküste Nordamerikas. Sie ist 460 Kilometer lang und 31.200 Quadratkilometer. Dies entspricht ungefähr der Größe von Belgien. Die Insel, auf der rund eine halbe Millionen Einwohner leben, ist nach ihrem Entdecker, dem britischen Kapitän George Vancouver benannt, der die Insel im Jahre 1792 erreichte. Die Westküste ist am dünnsten besiedelt. Dort können Abenteuerlustige auch den mehrtägigen „West Coast Trail“ antreten. Auf der Insel gibt es zwei bedeutende Verkehrsstrecken, zum einen die Nord- und Süd-Achse, zum anderen die Ost-West-Verbindung

Auf Vancouver Island fahren wir zu den berühmten 20 Hektar großen Butchart Gardens (www.butchartgardens.com). Nachdem wir zähneknirschend den hohen Eintrittspreis (18,- CA-$ pro Person) zur Kenntnis genommen haben, genießen wir die gigantische Pflanzenvielfalt des Parks. Ein wahres Paradies, das Jennie Butchart 1904 für mittlerweile Millionen von Besuchern geschaffen hat. Zudem kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und wir erleben hervorragende Stunden in den Gärten, die hier „Sunken Garden“, „Rose Garden“, „Japanese Garden“ und „Italien Garden“ heißen.

Nach diesem pflanzenkundlichen Ausflug geht es weiter in die Hauptstadt British Columbias, nach Victoria (www.tourismvictoria.com; www.victoria.worldweb.com). Nein, nicht Vancouver, die größte Stadt von B.C., ist die Hauptstadt sondern seit über 120 Jahren das recht kleine (290.000 Einwohner), britisch geprägte und nach dem damaligen Staatsoberhaupt benannte Victoria. Captain James Cook war der erste Europäer, der die Pazifikküste der Region um Victoria entdeckte. Die Stadt selbst ist aus einem Handelsposten der „Hudson Bay Company“ hervorgegangen. Unser erster Eindruck ist sehr gut. Kein Wunder, da schon Victorias Entdecker Sir James Douglas die Stadt als „a perfect eden“ bezeichnet hat. An der Uferpromenade heißt die Stadt ihre Besucher mit ihrer Blumenvielfalt willkommen: „Welcome to Victoria“. Wir sehen das Provinzparlament und das luxuriöse Empress Hotel, das alltäglich nachmittags zur Tea-Time bittet. Dieses weit über die Landesgrenzen bekannte Hotel wurde 1908 von dem Architekten Francis Rattenbury gebaut. Victoria bietet ein wirklich britisches Bild: Rote Doppeldeckerbusse mit Touristen rollen durch die Straßen, an der Ecke wird Dudelsack gespielt, Shops verkaufen schottische Tartans und englische Tweeds. Wir gehen die Hauptstraße, die Government Street, entlang und nehmen schließlich im Eaton’s Centre Food Court ein typisch amerikanisches Mittagessen ein. Die Straßen und Geschäfte sind hier wirklich sehr malerisch und bieten die gewohnt kanadische Vielfalt. Von Souvenir-Shops über Bekleidung bis zu Starbucks ist hier wirklich alles zu finden. Die Stadt gefällt uns sehr, da sie sehr beschaulich, schön und einen individuellen Touch hat. Wir schauen uns die Johnson St. Bridge an, die sich bei Bedarf hochklappen lässt und über die wir unseren Campingplatz erreichen: den West Bay Marina Campground (35,- CA-$ + 50 Cent für 1,5 „Dusch-Minuten“). Der Platz ist trotz der recht hohen Übernachtungskosten fast ausgebucht, liegt aber sehr günstig direkt am Pazifik, unweit der Innenstadt. Vor uns liegt eine Hausbootsiedlung, auf der man das Leben auf dem Wasser zu genießen scheint.

Am Abend geht es mit einem typischen Fortbewegungsmittel Victorias in die City, mit dem „Water-Taxi“ (12,- CA-$ für zwei Personen). Eigentlich eine sehr gute Einrichtung. Das Wassertaxi bietet Platz für bis zu zehn Leute und hat zwischen dem „Inner Harbour“ und dem „Gorge Waterway“ feste Haltestellen. Unser witziger Kapitän zieht auf Nachfrage einen großen Packen Speisekarten der örtlichen Restaurants hervor und gibt dem interessierten Fahrgast persönliche Empfehlungen. Uns schlägt er einen Burger-Laden direkt am belebten Ufer vor. Dort genießen wir auch ein „landestypisches“ Essen in Western-Atmospäre. Den Rückweg zum Campingplatz müssen wir dann zu Fuß absolvieren, da zu später Stund die Wassertaxen nicht mehr im Einsatz sind. Wir genießen den fast nächtlichen halbstündigen Spaziergang am Ufer und stoppen für eine kleine Erfrischung an einer urigen Kneipe. Der Rückweg hat sich also gelohnt.

14. Tag Victoria - Goldstream Provincial Park (19. September)
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Da wir in der Hauptstadt British Columbias sind, darf natürlich ein Besuch des Parlaments nicht fehlen. In diesem nachts interessant beleuchteten Gebäude, das 1897 von dem Erbauer des Empress Hotel, Victorias bekanntesten Architekten Francis Rattenbury, gebaut wurde, machen wir uns mit dem kanadischen Regierungssystem sowie mit der Geschichte der Region vertraut. Anschließend geht es ins Royal British Columbia Museum (www.royalbcmuseum.bc.ca; Ticket-Preis: 9,- CA-$), das auch für Museumsmuffel ein Muss ist. 27 Millionen Besucher in den letzten 30 Jahren sind ein deutliches Zeichen für die Attraktivität des Museums. Auf drei Ausstellungsebenen wird die Naturgeschichte sowie die Historie der menschlichen Besiedlung British Columbias präsentiert. Unter anderem wird auch die Vergangenheit der Ureinwohner, der Indianer, dargestellt. Wir besichtigen ein „Big House“, ein zeremonielles Großhaus der Indianer British Columbias. Zudem gibt es eine komplette Pionierstadt aus dem 19. Jahrhundert sowie fast lebensecht wirkende, Tiere. In einer Tiefseeschau unternehmen wir eine Unterwasserreise in die Tiefen der Meereswelt.

Nach diesem vorbildlichen Vormittag geht es dann wieder in die Stadt. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir den Blick auf den Hafen und fahren bald nach Fort Rodd Hill, das im Westen Victorias liegt. Direkt an der alten Festungsanlage, die von 1878 bis 1956 militärisch genutzt wurde, liegt der Fisgard Leuchtturm, der älteste Leuchtturm an der kanadischen Westküste. Der 1860 erbaute Turm ist auch heute noch in Betrieb. Wir besichtigen das kleine Museum in den unteren Etagen.

Nun geht es weiter zum Goldstream Park Campground (18,50 CA-$), einem der schönsten Plätze, die wir auf unserer Reise erlebt haben. Der Campingplatz liegt mitten in der wilden Natur, ist sehr groß und zu dieser Zeit wenig besucht. Wir genießen die Einsamkeit und erfreuen uns an einem neuerlichen Barbeque.

15. Tag Goldstream Provincial Park – Rathrevor Beach Provincial Park (20. September)
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Im Goldstream Provincial Park entscheiden wir uns für den Trail zu den Goldstream Falls. Wir wandern durch den grünen Regenwald zu den Fällen. Ein schöner, kurzer Spaziergang am Morgen. Das Wetter ist mittlerweile typisch für Vancouver Island: es ist bewölkt und regnet von Zeit zu Zeit.

Wir verlassen den Park und setzen unsere Reise über Vancouver Island nach Duncan fort. Duncan ist eine Start, die nicht unbedingt sehenswert ist. Wir halten nach den Totempfählen Ausschau, durch die die Stadt wohl an Bekanntheit gewonnen hat. Entlang der Hauptstraße gibt es einige, die sich aber nicht wesentlich von denen im Stanley Park in Vancouver unterscheiden. Also stufen wir Duncan als Durchgangsstation ein und fahren weiter nach Chemainus.

Chemainus (www.muraltown.com; www.chemainus.com) ist für seine Wandmalereien („Murals“) berühmt, die wir auch direkt am Ortseingang entdecken können. Vor einigen Jahren, als Chemainus noch als reine Forst- und Sägewerksstadt galt, haben sich eine Handvoll von Bewohnern Gedanken gemacht, was man für die Vermarktung dieses kleinen, noch unbedeutenden Ortes auf Vancouver Island machen könnte. Die umtriebigen Einheimischen hatten die Idee, einen Wettbewerb für Wandmalereien auszuschreiben, da bereits ein ortsbekannter Künstler mit den „Murals“ begonnen hatte. Dieses Vorhaben entwickelte sich, heute gibt es rund 40 Murals in der mittlerweile durch Touristen gut besuchten Stadt. Eine umfassende Mural-Liste gibt es im Infocenter. Die Wandmalereien sind an Gebäuden und Hotels zu finden.

Nach einem Eisstop bei „Billy Thomas“, der sich natürlich auch als erster „Mann“ der Stadt (geboren 1874) in Form eines Murals verewigen ließ, fahren wir zum Rathtrevor Beach Provincial Park (18,50 CA-$), der in dieser Gegend an der östlichen Spitze der einzige und beste Campingplatz sein soll. Am Eingang bekommen wir sofort einen Zettel in die Hand gedrückt, der uns auf das Vorhandensein von Bären aufmerksam macht. Es dürfen keine Essensreste, Kleidungsstücke oder sonstigen Dinge nachts draußen abgestellt werden. Der kurze Pfad, der zum Strand fährt, ist wegen zu hoher Bärenfrequenz gesperrt. „Bear is watching you“. Da wir die Nähe zum Meer ausnutzen wollen, machen wir uns aber dennoch auf den Weg. Auf diesem Pfad gehen wir zwar einen kleinen Umweg, dafür soll er Bärensicher sein. Wir genießen den breiten Strand in der Abenddämmerung. Das Abendessen nehmen wir - auch auf Grund der Witterung - im Bärengeschützten Inneren des Campers ein.

16. Tag Rathrevor Beach Provincial Park - Long Beach (21. September)
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An diesem Tag stehen mehrere kürzere Spaziergänge auf dem Programm. Zuerst landen wir im Englishman River Falls Park. Natürlich gibt es hier wieder einen Wasserfall zu bewundern. Durch einen dichten Regenwald geht es im Little Qualicum Falls Provincial Park. Mit den Stromschnellen wandern wir auf felsigem Untergrund entlang des Canyon. Am Ende des Weges wartet hier der kleine Wasserfall.

Unsere nächste Station führt uns zum Mac Millan Park. Dort wuchern bis zu 600 Jahre alte und 75 Meter hohe Douglasfichten. Auf den künstlichen Holzwegen, die aus Baumstämmen entstanden sind, lassen wir unsere Blicke in die Höhe der Baumkronen schweifen. Am Sproat Lake nehmen wir ein kleines Mittags-Picknick ein. Auf dem Wasser liegen zwei große Feuerlösch-Flugzeuge (!). In der kleinen Ortschaft Port Alberni decken wir uns mit Lebensmitteln sowie einem kleinen „Budweiser“-Vorrat ein und fahren anschließend auf der Straße No.4 Richtung Tofino. Diese Straße gehört zu den schönsten auf Vancouver Island.

Nun sind wir im Pacific Rim National Park, dem einzigen Nationalpark auf Vancouver Island, gelandet. Unser Quartier schlagen wir in Long Beach, im National Park Campground (18,- CA-$) auf. Dort genießen wir in den frühen Abendstunden den Long Beach, ein unendlich weiter Strand mitten in der Einsamkeit von Vancouver Island. Einen Nachteil gibt es allerdings hier, Duschen sind Fehlanzeige. Dafür regnet es hier genug!

17. Tag Long Beach - Ucluelet (22. September)
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Am Wickaninnish Bay beginnen wir den South Beach Trail (1,5 Kilometer). Nachdem wir einen „All day parking Pass“ ( 8,- CA-$) erworben haben, geht es auf einem kleinen Pfad Richtung Strand. Natürlich bewegen wir uns sehr wachsam, Bären sollen hier in der letzten Zeit häufiger gesehen worden sein. Wir unterhalten uns laut, da dies die Bären wohl am ehesten verschrecken soll. Ohne einen einzigen Bären entdeckt zu haben, erreichen wir South Beach. Der Strand besticht ebenso wie Long Beach durch seine unendliche Weite. Große Baumstämme liegen als Treibgut am Strand.

Dies sollte aber nicht der letzte Trail für heute gewesen sein. Wir fahren einige Kilometer weiter und bereiten uns auf den Schooner Trail (2 Kilometer) vor, einem der schönsten Trails, die Vancouver Island zu bieten hat. Der Weg führt auf Holzstegen durch dichten Regenwald zum Strand. In der Nähe des Strandes sehen wir einige Häuser der heimischen Indianer, die in Reservaten an der Westküste leben. Es ist nur schade, dass es heute wolkig und regnerisch ist. Das typische Vancouver Island-Wetter!

Nach diesem aktiven Vormittag fahren wir zum westlichsten Ort der Insel, nach Tofino (www.tofinobc.org). Dieses kleine Städtchen (1.200 Einwohner) erscheint uns recht unspektakulär. Es gibt hier einige kleine Geschäfte und Restaurants. Tofino ist auch Ausgangspunkt für „Wale Watching Cruises“, die von zahlreichen Veranstaltern angeboten werden. Etwas „Tofino“-artiges entdecken wir dennoch: an der Tankstelle werden nicht etwas die Benzinpreise angezeigt, sondern einem Paar wird zur Hochzeit und zum Nachwuchs gratuliert. Wen interessieren schon die aktuellen Sprittpreise, wenn es doch Wichtigeres gibt?

An diesem Abend entscheiden wir uns für den Ucluelet Campground (14,98 CA-$), der auf einem Hügel über der Ortschaft liegt. Bei einem kleinen Abendspaziergang erfahren wir, dass Briefkästen in diesem kleinen, verlassen Nest rar sind. Schließlich haben wir Glück und finden die Post, die neben Kirche und Marktplatz den zentralen Ortskern bildet. Wir genießen unseren letzten Abend auf einem „Natur“-Campingplatz und freuen uns auf das allabendliche Lagerfeuer, das uns allerdings heute nicht recht gelingen will.

18. Tag Ucluelet - Vancouver (23. September)
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An diesem wunderschönen Morgen fahren wir auf der Straße No. 4 zurück in Richtung Port Alberni. Es ist der erste Tag, an dem die Sonne über Vancouver Island strahlt. Bei Sonnenschein sieht doch alles noch wesentlich schöner aus. Wir sehen die Wälder, die sich in den Seen spiegeln und genießen diesen hervorragenden Tag. Für unser Mittagessen haben wir uns wiederum den Rathtrevor Beach Park ausgesucht. Hier genießen wir einige Stunden in der Sonne, bevor wir uns auf den Weg nach Nanaimo machen. Dort wollen wir die Fähre (71,05 CA-$ pro Strecke) zurück nach Vancouver nehmen.

Die Fähre hat heute reichlich Verspätung, was uns aber nicht sonderlich stört. Wir sitzen, wie viele andere Passagiere, gemütlich auf der Wiese am Meer und genießen die Sonnenstrahlen. Während der Fahrt nach Tsawassen genießen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang über den Gulf Islands.

In Vancouver steuern wir den Plaza RV-Park auf dem King George Highway an. Der RV-Park ist ein kleiner, recht gemütlicher und kostengünstiger Campingplatz abseits des Stadttrubels.

19. Tag Vancouver (24. September)
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Dieser Montag ist der vorletzte Tag unseres Kanada-Aufenthaltes. Wir beginnen unsere „Abschieds-Tournee“ mit einer Seabus-Fahrt nach North Vancouver. Der Seabus ist eine Fähre zum normalen Nahverkehrstarif, die ihre Gäste schnell von der City in die nördlichen Vororte der größten Stadt British Columbias befördert. Von dort genießen wir die Aussicht auf die Skyline von Vancouver.

Back to town leihen wir uns bei „Alley’s“ auf der Robson Street Mountain Bikes (je 15,- CA-$) aus. Was macht man mit einem Fahrrad in einer solchen Metropole? Klar, man fährt durch den Stanley Park. Der größte Park Vancouvers ist für Radler überaus geeignet. Es gibt einen Spazierweg sowie Fahrstreifen für Fahrräder und Skater. Das Befahren des 10 Kilometer langen „Stanley Park Drive“ (Rundweg) ist allerdings nur in eine Richtung erlaubt. Ordnung muss schließlich sein! Wir genießen das Radeln bei strahlendem Sonnenschein und erholen uns an einem der zahlreichen Strände („Third Beach“) am Rande des Parks.

Nach dem Besuch auf dieser Halbinsel geht es weiter nach Granville Island, einem pulsierenden Viertel mit vielen Geschäften und Restaurants. Vor 25 Jahren war die künstliche Halbinsel im Schatten der Granville Bridge industrielles Brachland. Heute befinden sich hier unzählige Künstler-Ateliers. Im Granville Island Public Market nehmen wir heute unser Mittagessen ein.

Nachdem wir unsere Mountainbikes abgegeben haben, fahren wir ins Shopping-Center „Metrotown“. Dort durchstreifen wir die kanadische Konsumwelt.

20. Tag Vancouver (25. September)
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Leider nähert sich unser Kanada-Aufenthalt bedrohlich seinem Ende. Heute müssen wir unser liebgewonnenes Gefährt, das uns 3.700 Kilometer begleitet hat, abgeben. Da wir bei der Übergabe aufgefordert wurden, den Camper „besenrein“ und von außen sauber abzuliefern, suchen wir eine Auto-Waschanlage für Camper/ Wohnmobile auf, in der man sein Gefährt mit Hochdruckwasserstrahl säubern kann. Das klappt eigentlich ganz gut, auch bei einem großen Camper. Wir hatten uns zu Beginn gegen eine Zusatzversicherung - und damit auch gegen höhere Kosten - entschieden und bereuen unseren Entschluss nicht. Wir haben keinerlei Mängel vorzuweisen und bestehen die Übergabe ohne Tadel! Natürlich kann während eines dreiwöchigen Aufenthaltes immer etwas passieren, jedoch sind die häufigsten Schäden (wie Reifenpanne, Unfälle beim Rückwärtsfahren) in der Zusatzversicherung ebenfalls nicht enthalten.

Nachdem wir wieder im Days-Inn „Metrotown“ (78,- CA-$ pro Zimmer) eingecheckt haben, fahren wir mit dem Bus zur University of British Columbia. Dort ist das „Museum of Anthropology“ unser Ziel. Dieses Anthropologische Museum wurde 1949 gegründet und ist heute eines der größten Lehrmuseen und eines der beliebtesten Museen Kanadas. Wir lernen über die Geschichte der Ureinwohner British Columbias und entdecken eine große Kunstsammlung, unter anderem mit Original-Totemphälen und Skulpturen. Die ersten Bewohner der Küstengebiete British Columbias haben ihre Lebensart, die auf sozialen und zeremoniellen Grundlagen basiert, bis heute beibehalten. Zur Zeit leben etwa 170.000 Menschen in British Columbia, in Städten oder in den Reservaten ihrer Vorfahren. Einige Häuser konnten wir während unseres Aufenthaltes, vor allem auf Vancouver Island, sehen.

Am frühen Nachmittag kehren wir wieder in die Stadt zurück. Wir schlendern gemütlich die Robson Street entlang, kaufen das eine oder andere Souvernir und erfreuen uns an den stets freundlichen Kanadiern. Ein Geschäft fasziniert uns besonders, da dort alles Erdenkliche in Magnetform verkauft wird. Es gibt unter anderem Eisbecher, Kotelett mit Pommes, Stofftiere und vieles mehr.

Abends essen wir in Gastown in der „Old Spaghetti Factory“. Diese Kette, die noch mehrmals im Westen vertreten ist (unter anderem in Whistler), gefällt vor allem durch ihre außergewöhnliche Einrichtung. Die Gäste können beispielsweise ihre Nudelgerichte in einem alten „Gastown“-Straßenbahnwagen einnehmen. Obwohl das Ambiente stimmt, ist das Essen eher bescheiden und bestätigt den Ruf der amerikanischen Nudelgerichte. Es schmeckt anders als beim Italiener! Nach dieser weisen Erkenntnis genießen wir ein letztes Mal den Blick über die Skyline von Vancouver und fahren ins Motel zurück.

21. Tag Vancouver - Hamburg (26. September)
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Das Flugzeug von „Canada 3000“ hebt pünktlich in Vancouver ab und erreicht nach Zwischenlandungen in Calgary und Berlin schließlich Hamburg. Wir waren sicherlich nicht das letzte Mal in Kanada!

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