F e r n w e h-Pur... Reisebericht

1.- 4. Tag
Windhoek - Hardap Damm - Keetmanshoop (Köcherbaumwald)

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1. Tag Hamburg - Windhoek (17. Juni)


Am 17. Juni ist es endlich soweit: Das Abenteuer Namibia kann beginnen. Wir starten am Nachmittag von Hamburg-Dammtor mit dem ICE Richtung Frankfurt-Flughafen. Dort steigen wir in die 747-400 der Air Namibia, die pünktlich um 22.45 den Rhein-Main Flughafen mit Ziel Windhoek verlässt. Der rund 9½-stündige Flug ist recht komfortabel, der Sitzabstand scheint bei Air Namibia größer als bei anderen Fluggesellschaften zu sein. Zudem servieren die freundlichen Flugbegleiter ständig kühle Getränke, das Essen ist besser als sonst „in der Luft“.

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2. Tag Windhoek (18. Juni)


Nach kilometerlanger Savannenlandschaft erblicken wir beim Landeanflug auf Windhoek endlich eine asphaltierte Landebahn. Irgendwo im nirgendwo sind wir gelandet! Um 7.30 Uhr Ortszeit (eine Stunde Zeitverschiebung) betreten wir erstmalig afrikanischen Boden.

Am „Chief Hosea Kurako Airport“ treffen wir – wie vereinbart - einen freundlichen Mitarbeiter von Safe! Cars, bei denen wir unseren Toyota Hilux 2700i (mit Campingausrüstung und Dachzelt) bestellt hatten. Leider wartet er nicht auf uns, wir sind nicht auf seiner Liste vertreten. Glücklicherweise hat er noch zwei Plätze im Bus frei. Wir dürfen also mitfahren.

Die erste Station führt uns dann nicht direkt nach Windhoek, sondern in ein Souvenir- und Trophäengeschäft, das sich auf halber Strecke zwischen Flughafen und City befindet. Dort dürfen wir uns „umschauen“. Es ist schon recht merkwürdig, wenn man nach einem langen Flug um acht Uhr morgens einen ausgestopften Löwen sowie eine Giraffe in Lebensgröße präsentiert bekommt. Die Inhaber begrüßen uns mit einem freundlichen „Guten Morgen“.

Nach dieser kurzen, tierkundlichen Einführung („so nah werden wir nie wieder neben einem Löwen stehen“) geht es nun durch die Innenstadt von Windhoek in unsere Unterkunft, das Puccini House (4 Puccini Street; Tel. 061-236 355; email: puccinis@nweb.com.na). Das Backpackers liegt nur wenige 100 Meter vom Standzentrum entfernt. Die namibischen Gastgeber empfangen uns freundlich, auch vier aufgeregte Hunde bellen uns ein herzliches „Welkom“ entgegen. Wir haben diese Unterkunft gewählt, da wir nahe der Innenstadt sein wollten und auch der Preis von 160,- N$* (ca. 16,- Euro) pro Doppelzimmer stimmt. Ein echter Glücksgriff! Das Zimmer ist geräumig, die sanitären Anlagen sehr sauber. Die Gastgeberin steht uns mit Rat und Tat zur Seite.

Bald starten wir zu unserer ersten Erkundungstour durch Windhoek. Wir haben uns vorher entschieden, erst am nächsten Tag mit unserer großen Namibia-Rundreise zu beginnen. Dieser Ankunftstag erschien uns zur Eingewöhnung und Erledigung einiger notwendiger Reisevorbereitungen vor Ort (Reservierungsbüro, Kleidung, Apotheke) sinnvoll. Zudem lohnt sich eine Sight-Seeing-Tour durch Windhoek.

Zuerst führt uns der Weg in die Luisen-Apotheke auf der Independence Avenue (ehemalige Kaiserstraße), der Hauptstraße Windhoeks. Dort erkundigen wir uns bei einem deutschsprachigen, kompetenten Apotheker nach den Gefahren einer Malariaerkrankung im Norden des Landes (Etosha-Nationalpark etc.). Wir entscheiden uns für eine Prophylaxe und decken uns mit Mückenspray („Peaceful Sleep“) und Sonnenmilch (Lichtschutzfaktor 30) ein. Natürlich muss bei einem Namibia-Urlaub auch die Kleidung stimmen. Ein Besuch bei Holtz-Safari (Gistav Voigt Centre, Independence Avenue 129; Tel. 061-35941) verleiht uns ein wahres Safari-Gefühl, auch der „Ranger“-Hut darf dabei nicht fehlen. Die Wahl der hellen Kleidung mit langärmligem Hemd zahlt sich auch als so genannte Expeditionsprophylaxe aus.

Müssen wir unsere Camping-Übernachtungen - wie wir vorher gelesen haben - im voraus buchen? Das wollen wir im staatlichen Reservierungsbüro der Naturschutzbehörde wissen. Eine Buchung ist für den Etosha-Nationalpark dringend zu empfehlen. Wir entscheiden uns, erst den weiteren Verlauf der Reiseroute abzuwarten und den Campingplatz im Etosha eine Woche vor unserer Ankunft zu buchen. Eine gute Entscheidung, da die Übernachtungskapazitäten doch sehr begrenzt sind. Für die Hauptsaison ist eine rechtzeitige Buchung mehrere Wochen im voraus dringend notwendig.

Natürlich werfen wir auch einen Blick auf die deutschsprachige Tageszeitung in Namibia, die „Allgemeine Zeitung“. Dieses unabhängige Blatt, das seit 1914 erscheint, berichtet sowohl über nationale als auch über internationale Ereignisse in Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur etc.. Im nationalen Teil kommen auch die Farm- und Jagdnachrichten zur Sprache. Die internationale Berichterstattung konzentriert sich überwiegend auf Deutschland. Es ist schon interessant, im fernen Namibia die aktuellsten Entwicklungen in der Heimat zu lesen.

Nach der Pflicht steht nun die Kür auf dem Programm: Die Sehenswürdigkeiten von Windhoek. Die Stadt, die auf 1650 Meter Höhe ü.d.M. liegt, hat ihren Namen („Windecke“) von dem Nama Häuptling Jan Jonker Afrikaaner erhalten. Ein Rundgang führt uns zu der 1910 eingeweihten neuromanischen Christuskirche. Direkt gegenüber von dem Gotteshaus erblicken wir das Gebäude der Nationalversammlung, den „Tintenpalast“. Wahrlich kein Prachtbau, die Parkanlage vor dem Regierungsgebäude ist da schon beeindruckender. Der 1913 errichtete Tintenpalast hat seinen Namen von den Beamten, die dort früher ihre Schreibarbeiten mit Feder und Tinte ausgeführt haben. Am Reiter-Denkmal vorbei gehen wir in Richtung der „Alten Feste“. Die „Alte Feste“ wurde 1890 von den Kolonialsoldaten gebaut und beherbergt heute das namibische Staatsmuseum. Nebenan liegt das Restaurant „Afrika“. Dort dürfen wir das erste landestypische Essen genießen. Die Spezialitäten aus Namibia und dem übrigen Süd-, West- und Ostafrika sind sehr empfehlenswert und für den europäischen Gaumen doch recht scharf. Natürlich probieren wir auch den namibischen Maisbrei („Mille-Pap“). Dabei darf natürlich auch ein „Windhoek Lager“ nicht fehlen. Eine Reservierung ist in diesem Restaurant, das von dunkelhäutigen Namibiern geführt wird, empfehlenswert (Tel: 061-247178). Da es schon dunkel ist, fahren wir mit einem Taxi ins Puccini House zurück.


*Alle Übernachtungspreise beziehen sich auf zwei Personen (inkl. Parkeintritt).

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3. Tag Windhoek - Hardap Damm (19. Juni)


Pünktlich um 9 Uhr werden wir von Safe!Cars abgeholt und zum Büro gefahren. Dort erhalten wir nach Klärung aller Formalitäten eine umfassende Einweisung zu unserem Fahrzeug und dem fahrbaren „Heim“, das uns die nächsten knapp drei Wochen begleiten wird. Unser Toyota Hilux 2700i (single cabin mit Klimaanlage + kompletter Campingausrüstung + Dachzelt) weist einen Kilometerstand von 102.000 auf und ist in einem guten Zustand. Das Dachzelt scheint mühelos entfaltbar zu sein. Wir werden es sehen! Erstaunen löst bei uns die Campingausrüstung aus: Von Schneidemesser- und brett über Kartoffelschäler und Nudelgabel ist alles komplett vorhanden. Und es ist geschickt in Expeditionskisten verstaut. Das Kühlfach hatten wir uns größer vorgestellt, sperrige Milchprodukte wird es die nächsten 20 Tage wohl nicht geben. Die beiden Wasserkanister werden sofort aufgefüllt. Wasser ist in einigen Teilen Namibias rar und nicht alle Campingplätze verfügen über einen Wasseranschluss. Mit dem Doppeltank können wir mindestens 800 km weit fahren. Das dürfte bis zur nächsten Tankstelle reichen!

„Viel Glück und kommen Sie gesund wieder!“ So werden wir bei Safe!Cars verabschiedet. Das Abbiegen in die Straße und dann auf die LINKE Fahrspur. Es hat geklappt! Unser erstes Ziel ist der Pick‘n Pay- Supermarkt in der Wernhil Park-Mall in Windhoek. Dort kaufen wir alle noch fehlenden Ausrüstungs- und Verpflegungsgegenstände für die nächsten drei Wochen ein. Von Camping- und Haushaltszubehör über Tiefkühljoghurt, Obst und Gemüse bis zu frischem Fleisch und Fisch gibt es dort alles. Die Auswahl ist ernorm, die Preise sind meist um die Hälfte günstiger als in Deutschland.

Jetzt geht es los, über die B1 südlich Richtung Rehoboth. Kurz hinter der Stadtgrenze von Windhoek warten die ersten „wilden“ Tiere auf uns. Paviane schlängeln sich am Zaun entlang und beobachten den doch für deutsche Verhältnisse geringen Verkehr. Die gut befahrbare asphaltierte B1-Straße bietet sich hervorragend zur Eingewöhnung ans Linksfahren.

Kurz hinter Rehoboth biegen wir in die C 24 zum Oanob Damm ab. Dort machen wir unser erstes Picknick und genießen zum ersten Mal die unglaubliche Stille und Weite Afrikas. Kein Geräusch weit und breit. Weiter geht es an Kalkrand vorbei auf die C20 Richtung Stampriet. Später biegen wir in eine Pad (namibische Bezeichnung für Straße) ein, die roten Sand und eine rötlich gefärbte Landschaft bietet. Ein Hauch der Kalahari-Wüste umringt uns.

Unsere erste Nacht verbringen wir in der Anib Lodge (Tel. 063-240529; email: anib@natron.net). Dort werden wir, nachdem wir die prächtige „Palmen“-Straße entlang gefahren sind, mit einem unerwarteten „Grüß Gott“ begrüßt. Peter, der Neffe des österreichischen Pächters, absolviert gerade ein Praktikum in der Lodge. Freundlich zeigt er uns den Campingplatz: Vier sehr schön hergerichtete Stellplätze mit Grill, Wasseranschluss, Kakteen und je ein eigenes Häuschen mit Dusche und WC (170,-N$). Es sollte – mit einer Ausnahme - das einzige „eigene“ Badezimmer auf der Reise bleiben. Welch ein Luxus, den wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu schätzen wissen!

Das erste Dachzelt-Aufklappen verläuft reibungslos. In Minutenschnelle steht das 1,40 x 2 Meter große Gehäuse. Das Feuer brennt auch schnell, die ersten Würstchen liegen bald auf dem Grill. Wir genießen den ersten Sonnenuntergang und stoßen mit einem „Windhoek Lager“ auf unseren Urlaub an. Bisher hat alles an diesem ersten richtigen Tag hervorragend geklappt. Daraufhin entschließen wir uns, der Bar auf der Anib Lodge einen kurzen Besuch abzustatten. Dort lernen wir bei einem Windhoek Lager und einem Gläschen Sekt auch den österreichischen Pächter kennen, der uns mit wertvollen Tipps für den weiteren Verlauf der Reise zur Seite steht. Überhaupt fühlen wir uns in der Bar sehr wohl. Ein sehr schöner Speiseraum mit einem angrenzenden Kaminzimmer, in sich auch die gemütliche Holz-Theke befindet. Kurz vor Mitternacht kommt richtig Stimmung auf. Bei Musik von Frank Sinatra werden einige der Gäste feiern. Es sind zwei Paare, die ihren „Honeymoon“ in Namibia genießen. Die Flasche Sekt geht auf Kosten des Hauses. Wir können nicht glauben, dass wir mitten in Afrika sind. Nur die Stille, die Entfernung zum nächsten Nachbarn (ca. fünf Kilometer) und der rote Kalahari-Sand geben uns das Gefühl des schwarzen Kontinents.

Die erste Nacht im Zelt ist, nicht zuletzt wegen der Matratze, erstaunlich bequem. Die Leiter, die zum Dachzelt führt, habe ich anfangs nicht getraut. Trotz der Tagestemperaturen von 20º bis 25ºC kann es nachts bis auf den Gefrierpunkt abkühlen. Wir genießen die klare und saubere Luft. Wenn sie nicht ganz so kalt wäre....

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4. Tag Hardap Damm - Köcherbaumwald (20. Juni)


Am nächsten Morgen geht es weiter zum Hardap Damm. Wir einigen uns darauf, dass ich immer die „Frühschicht“ im Auto übernehme. Gegen Mittag ist dann Fahrerwechsel und Stefan wird uns durch die traumhaften Landschaften Namibias fahren.

Der Hardap Damm stellt die größte Stauanlage zur Trinkwasserversorgung Namibias dar. Bei Entrichtung der Eintrittsgebühr (60,- N$) im „Office“ begegnet uns erstmalig eine namibische Eigenart bei der Zahlweise. „Twenty Dollars for the car, please.“ Neben dem Eintritt für zwei Personen muss immer für das Auto (!) bezahlt werden. Das wird uns in allen staatlichen Naturparks und Camps begegnen und uns jedes Mal zum Schmunzeln bringen. Zum ersten Mal erleben wir hier einen afrikanischen Wildpark. Springböcke laufen über die Hügel, die Weite des zum Namibia Wildlife Resorts gehörenden Naturschutzgebietes ist erstaunlich. Eine echte Oase der Ruhe!

An einer Straußenfarm und mehreren sich auf Bahngleisen ausruhenden Pavianen vorbei geht es Richtung Marienthal. Dort wollen wir im Spar-Markt noch einge Dinge besorgen, an die wir in Windhoek nicht gedacht hatten. Die Anfahrt zum Supermarkt erweckt keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Auf dem Parkplatz „lungern“ sehr viele Einheimische herum, im „Spar“ fühlen wir uns eigentlich recht sicher.

Bei Keetmanshoop biegen wir in die Pad C17 ab. Unsere erste namibische Schotterstraße, von denen noch so viele folgen sollten. Wir folgen mit 50 Stundenkilometern der Pad, unterwegs begegnen uns einige Pferdekutschen. Die Menschen grüßen freundlich.

Im Quivertree Forest Camp wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. In diesem Camp befindet sich der berühmte Köcherbaumwald, der besonders bei Sonnenuntergang ein prächtiges Farbenspiel bietet. Nach dem Bezahlen im Office hält Stefan plötzlich inne: „Ich habe zwei Geparden gesehen. Hoffentlich sind die im Gehege.“ Wir erkennen zwei Geparden, die in einem kleinen Gehege umherstolzieren. Eine Art der Tierhaltung, die man überaus kritisch betrachten muss. Wir schenken den Raubkatzen keine große Beachtung, da wir diese oftmals für die Tiere qualvolle Haltung nicht unterstützen wollen.

Nachdem wir uns einen lauschigen Platz im Camp gesucht haben, ist es auch schon Zeit, den Köcherbaumwald näher zu betrachten. Die Köcherbäume (afrikaans: „Kokerboom“) bieten vor allem bei Sonnenuntergang ein gigantisches Farbenspiel und sind Motiv für jede Postkarte. Die bis zu neun Meter hohen Gewächse sind Sukkulenten und benötigen bis zur Blüte zwischen 20 und 30 Jahren. Köcherbäume, die bis zu 300 Jahre alt werden können, haben ihren Namen von den Buschmännern erhalten, die früher die Äste der Bäume aushöhlten. Die das Pflanzenmark umgebende Rinde diente dabei als Köcher für die Pfeile. Namibia hat als einziges Land der Erde Naturschutz in seine Verfassung aufgenommen. Auch diese Baum-Aloen gehören dazu. Die Idylle wird nur von zwei Bussen getrübt, die jeden Abend ca. 30 (meist deutsche) Touristen zum Foto-Shooting befördern.

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