F e r n w e h-Pur... Reisebericht

5.- 6. Tag
Keetmanshoop - Fish River Canyon -Aus

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5. Tag Köcherbaumwald – Ai-Ais (21. Juni)


Am nächsten Morgen geht es an zwei hungrigen Geparden vorbei in Richtung Naute Damm. Dazu verlassen wir die asphaltierte B1 südlich von Keetmanshoop und biegen in die Pad 545. Die Pads in Namibia werden stets von privatem Farmland umgeben, das eingezäunt ist und größtenteils der Tierbewirtschaftung dient. Dieser 1972 erbaute Damm dient zur Trink- und Brauchwasserversorgung von Keetmanshoop. Wir genießen den schönen Ausblick und erfreuen uns an den liebgewonnenen Köcherbäumen, die auch dort vereinzelt vertreten sind.

An einer Bahnstrecke entlang, auf der auch – wahrscheinlich im Tagesrythmus – Züge fahren, geht es in die Fish River Canyon-Region. Der Fish River Canyon ist vorwiegend während der Pluvialzeiten (regenreiche Klimaepoche) entstanden und ist in Quarziten, Dolomiten und Kalksteinen eingegraben. Wir sind von dem Canyon, der 161 km lang ist und eine Tiefe zwischen 450 und 550 m hat, sowie von der weiten dürren Savannenlandschaft sehr beeindruckt. Am Hauptaussichtspunkt des zweitgrößten Canyons der Welt (nach dem Grand Canyon) verlassen wir das Auto und gehen ca. 30 Minuten zu einem weiteren spektakulären Spot. An dieser Stelle beginnt auch der fünftägige Fish River Canyon-Wanderweg. Die Herausforderung dieser 86km-langen Wanderung, die nur von Mai bis Ende August möglich ist, lockt uns schon. Natürlich müssen die „Fish“-Wanderer eine gute Fitness aufweisen (ärztliches Attest muss vorliegen!) und mindestens in einer Dreiergruppe unterwegs sein. Der dafür erforderliche Permit wird in der Nature Conservation-Behörde in Windhoek (Tel. 061-23 69 758) ausgestellt. Wir denken uns: „Bei unserem nächsten Besuch bewältigen wir den Fish“.

Wer nicht genügend Zeit für den gesamten Fish River Canyon-Wanderweg hat, kann neuerdings eine kürzere Version wählen. Vom Sulphur Viewing Point geht es herunter zu den Schwefelquellen, die eine Biegung weiter flussabwärts liegen. Auch für diese Kurzwanderung ist ausreichend Kondition notwendig.

Nun geht es für uns erst einmal wieder ins Auto und dann Richtung Ai-Ais, wo wir unser Nachtcamp eingeplant haben. Wir wären gerne länger an diesem wunderschönen Aussichtspunkt geblieben und hätten das famose Panorama des Fish River Canyon genossen. Allerdings sind die Tage im namibischen Winter kurz: Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr, Sonnenuntergang gegen 17.45 Uhr. Kurz vor 18 Uhr abends muss die Herberge schon erreicht sein, die staatlichen Camps, zu denen auch Ai-Ais gehört, schließen gar bei Sonnenuntergang ihre Pforten.

Die Strecke nach Ai-Ais bietet atemberaubende Einblicke in die Canyon-Landschaft. Der südliche Teil der Pad 324 ist etwas abenteuerlich und wegen der vielen Kurven schwer zu überblicken. Die erste fahrtechnische Herausforderung auf namibischen Boden. An diese Art von Schotterstraßen werden wir uns in den nächsten 17 Tagen noch gewöhnen.

Bei Ankunft in Ai-Ais werden wir gefragt, ob wir eine Reservierung hätten. Dies verneinen wir und ernten einen erstaunten Blick des Wildlife Resorts-Angestellten. Glücklicherweise ist noch Platz vorhanden. Wie wir feststellen, ist dieser auch nicht zu knapp. Das „Ministerium für Naturschutz und Tourismus“ sieht es wohl nicht gerne, wenn Urlauber keine Reservierung vorweisen können. Wir entscheiden uns, erst einmal zur Tankstelle zu fahren, da wir das letzte Mal in Marienthal getankt haben. Dann folgt die Überraschung. „Unleaded fuel“ gibt es in Ai-Ais nicht! Eine Tatsche, die in keinem Reiseführer bisher erwähnt wurde. 600 Kilometer sind wir mit diesem Tank gefahren, eigentlich sollte ausreichend Sprit für 800 Kilometer vorhanden sein. Den Benzinverbrauch kann man natürlich zu Beginn der Reise und auf den Schotterpisten schlecht einschätzen. Außerdem liegt die nächste Tankstelle, die dann hoffentlich „unleaded fuel“ im Angebot hat, mehr als 100 Kilometer entfernt. Wir haben nun morgen die Alternative, südlich nach Noordoewer (Grenze zu Südafrika) oder den Weg nördlich zum Canyon Road House zurück zu fahren. Wenn wir uns für Noordoewer entscheiden würden, könnten wir die Strecke am Oranje Fluss, die wunderschön sein soll, entlang fahren. Wir lesen in unserem Reiseführer, dass diese Straße schlecht befahrbar sei und einige Schlammabschnitte bieten würde. Zudem sind die Übernachtungsmöglichkeiten nicht eindeutig festgelegt. Dieses Abenteuer trauen wir uns doch nicht bei unserem ersten Afrikaaufenthalt. Wir entscheiden uns für die Fahrt zum Canyon Road House, das auch auf unserer ursprünglichen Reiseroute liegt. Es ist also kein Umweg. Nachdem wir telefonisch festgestellt haben, dass es dort „unleaded fuel“ gibt, nehmen wir ein heißes Bad in den Ai-Ais-Thermalquellen. Wunderschön, bei diesem Anblick auf die die Anlage umgebenden Berge. Das Camp in Ai-Ais (125,- N$ + 60,- N$ Permit; Tel. 063-262045), nur von März bis Oktober geöffnet, gefällt uns eigentlich gut. Es ist recht künstlich angelegt, aber sehr paradiesisch. Glücklicherweise ist es nur zu einem Drittel gefüllt, bei stärkerem Andrang wäre es uns zu eng.

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6. Tag Ai-Ais – Klein-Aus (22. Juni)


Beim morgendlichen Frühstück im Goldschimmer der Bergidylle Ai Ais‘ entdecken wir einen heimlichen Beobachter: Auf einem Bergzipfel schaut uns ein Pavian seelenruhig bei der ersten Tasse Kaffee zu. Er regt sich, gähnt und genießt den Sonnenaufgang auf seine Art und Weise. Nachdem wir unsere Frühstücksutensilien eingeräumt haben, schaue ich auf den Bergzipfel: Er ist weg. Wo ist der Pavian? Auf einmal sehe ich - ca. 30 Meter von unserem Stellplatz entfernt - den morgendlichen heimlichen Beobachter. Er wartet wohl auf unsere Frühstücksreste. „Naja, die sind noch nicht so weit, ich schaue mich mal bei den anderen Camp-Gästen um“, denkt er wohl. Der Pavian läuft blitzschnell zu den anderen Plätzen. Er beobachtet, registriert und überprüft die Mülltonnen nach Essensresten.

Wir brechen kurze Zeit später auf und denken noch lange an das habgierige Gesicht des Pavians. Im Canyon Road House bekommen wir unser ersehntes „unleaded fuel“. Weiter geht es an diesem, wiederum wolkenlosen Tag Richtung Bethanien. Dort schauen wir uns das Schmelen-Haus, das 1811 von Pastor Heinrich Schmelen gebaut wurde, an. Das ehemalige Missionshaus und heutige Museum ist das älteste, von Weißen errichtete Gebäude in Namibia. Auch bekommen wir einen ersten Einblick in ein namibisches Dorf.

Nachdem uns einige Afrikaaner-Schafe am Wegesrand beobachtet haben, führt uns die heutige Tagesetappe nach Aus. In diesem kleinen Dörfchen gibt es alles Lebensnotwendige: Kirche, Polizei, Post, Tankstelle, Supermarkt. Nach der Erfahrung von gestern tanken wir hier. Die Tankstelle in Ai-Ais war übrigens die einzige auf unserer gesamten Reiseroute, die kein „unleaded fuel“ hatte. Wir können also unbesorgt durch die Lande fahren. Später erfahren wir auch, dass die Toyota Hilux in Namibia eigentlich keinen Katalysator besitzen. Wir hätten wohl auch verbleites Benzin tanken können!

Kurz hinter dem kleinen Städtchen Aus biegen wir in die Farm „Klein-Aus“ (88,- N$; Tel. 063-258021) ein. Ungefähr drei Kilometer von der Farm entfernt liegt der Campingplatz. In einer Bergidylle, in der wir die einzigen Gäste sind, gibt es sehr saubere und recht moderne sanitäre Anlagen. Wir entscheiden uns, kurz vor Sonnenuntergang noch einen kleinen Berg-Spaziergang auf einem markierten Pfad zu unternehmen. Nach einem kurzen Anstieg erwartet uns ein atemberaubender Ausblick auf die weite Landschaft. Vereinzelte Bäume unterbrechen die Harmonie der Savannenlandschaft. Die Berge um uns herum erstrahlen im Goldschimmer des Sonnenuntergangs. So haben wir uns Namibia vorgestellt.

Wenn man Glück hat, kann man in Aus Wildpferde beobachten. Die "Desert Horses" durchstreifen die Namib gewöhnlich bei der Wasserstelle Garub unweit der Straße nach Lüderitz. Bei den Tieren handelt es sich höchstwahrscheinlich um Nachfahren ausgewilderter Militärpferde. Sie sollen eine Mischung aus Hackney, Trakehner und English Thoroughbreds sein.

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