F e r n w e h-Pur... Reisebericht

12.- 13. Tag
Kuiseb Canyon - Swakopmund - Cape Cross - Brandberg

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12. Tag Kuiseb Canyon – Swakopmund (Cape Cross) (28. Juni)


Heute morgen stellen sich folgende Fragen nicht: Wie ist die Dusche? Ist das Wasser auch wirklich warm genug? Es gibt kein Wasser an der Kuiseb Bridge! Nach dem ersten Automotorengeräusch gegen 6.30 Uhr schauen wir uns unseren „Campingplatz“ etwas genauer an. Bei der gestrigen Dunkelheit konnten wir nicht sonderlich viel erkennen. Es wirkt sehr idyllisch. Brücke, Berge, Bäume, die vielen kleinen Tierchen... Wir bemerken auf einmal, dass unser Zelt von außen feucht ist. Es hat doch wohl nicht heimlich geregnet in dieser Nacht? Natürlich nicht! Das ist wohl auf den aufsteigenden Nebel im Küstenbereich, der durch den kalten Benguelastrom entsteht, zurückzuführen. Ein nasses Zelt wollen wir nicht einpacken.

Glücklicherweise beschert uns die schon starke Morgensonne nach kurzer Zeit ein recht trockenes Zelt, mit dem wir „just in time“ unsere Fahrt auf der C 14 Richtung Walvis Bay fortsetzen können. Unterwegs begegnen wir einigen großgewachsenen Straußen, die vereinzelt über die Felder stolzieren. Die Straße wird mit zunehmender Fahrtdauer immer besser. Walvis Bay, die zweitgrößte Stadt Namibias passieren wir, da sich keine besonderen Sehenswürdigkeiten ankündigen. Die ehemalige südafrikanische Enklave gehört erst seit 1994 zum namibischen Staatsgebiet.

Auf der asphaltierten (!) B 2 geht es an der Atlantikküste entlang Richtung Swakopmund. Eine wunderschöne Ferienhaussiedlung (mit Meeresblick) zieht an uns vorüber. Auch in Swakopmund (benannt nach dem Fluss „Swakop“) sind die deutschen Wurzeln nicht zu übersehen, die koloniale Architektur des Badeorts fällt uns sofort ins Auge. Vor kurzem sind auch hier viele deutsche Straßennamen unbenannt worden. Die Hauptstraße, die ehemalige „Kaiser-Wilhelm-Straße“, heißt nun „Sam Nujoma Avenue“. In den größeren Städten Namibias, auch in Swakopmund, gibt es städtische Parkwächter, die für ca. zwei bis drei Dollar die parkenden Fahrzeuge beaufsichtigen. Nachdem wir einen „Park-Boy“ damit beauftragt haben (ohne Wächter sollte man sein Fahrzeug nicht verlassen!) decken wir uns im Supermarkt mit den wichtigsten Lebensmitteln für die nächsten knapp zehn Tage ein.

Anschließend spazieren wir in Richtung Strandpromenade. Auf einem großen, mit Palmen und Bänken (in den namibischen Nationalfarben), verschönerten Platz gibt es einen kleinen Holzschnitzermarkt. Dort werden alle möglichen Namibia-Souvenirs ausgestellt: Giraffen, Elefanten, Kudus, Zebras, Schalen, Töpfe, Totemköpfe etc. Ich verhandele und kaufe mir einen kleinen, aufpolierten Elefanten für 50,- Dollar („Monday price“). Mit unseren kleinen Anhängsel setzen wir den Weg zum Ufer fort. Wir besuchen das Museum, das überaus empfehlenswert ist. Das von dem Zahnarzt Dr. A. Weber gegründete privatfinanzierte Museum bietet eine sehr interessante Vielfalt. Neben der Geschichte des Transportwesens und einer umfangreichen Mineral- und Tiersammlung gibt es eine informative Ausstellung über die recht unterschiedliche Bevölkerungsstämme Namibias und deren Lebensweisen und Kultur. Musikinstrumente, Arbeitsgegenstände, Haushaltsgeräte etc. werden hier anschaulich dargestellt. Im Museumsshop kaufen wir uns das wohl bekannteste Namibia-Buch: „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ (von Henno Martin). Dieses Buch beschreibt den Überlebenskampf von zwei deutschen Geologen, die während des zweiten Weltkriegs im Kuiseb Canyon Zuflucht gesucht haben, um der Internierung zu entgehen. Ein absolutes Muss. Vor allem, wenn man eine Nacht nahe des Kuiseb Canyons verbracht hat!

Nach einem Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, den strahlenden Leuchtturm geht es auf der C 34 Richtung Norden weiter. Wir fahren bis zum „Meile 72 Camp“ (110,- N$), in dem wir die Nacht verbringen möchten. Der Campingplatz liegt direkt „auf“ dem Strand. Ein älterer mürrischer Herr hilft uns beim „Einchecken“. Nachdem wir uns auf dem riesigen Gelände einen Platz in ca. zehn Meter Entfernung zum Meer ausgesucht haben, genießen wir eine warme Dusche. Welch‘ Luxus. Wir sind die Einzigen auf diesem großflächigen Campingplatz. Mit einem „Essen am Meer“, einem lodernden Lagerfeuer und dem Rausch der Wellen beenden wir diesen Tag.

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13. Tag Swakopmund (Cape Cross) – Tsiseb (29. Juni)


Wie könnte ein Tag besser beginnen als mit einem traumhaften Frühstück am Meer. Wir genießen die raue See und machen uns dann auf in Richtung Cape Cross (C34). Auf einer Salzpad, die vor allem in den frühen Morgenstunden recht rutschig ist, erreichen wir kurz nach neun Uhr das Robbenreservat Cape Cross. Nachdem wir schon im Reiseführer gelesen hatten, dass sich dort die Tore erst um neun Uhr öffnen, wollten wir uns vor Ort überzeugen. Wir stehen vor einem verschlossenen Gate! Natürlich nutzen wir die Zeit sinnvoll: Wir informieren uns über die Reiseroute der nächsten Tage, ich setze meine Elefanten-Lektüre fort. Kurz vor zehn Uhr öffnet dann tatsächlich eine junge Dame das Tor. Wir fahren zuerst zum Office, um uns den notwendigen Permit zu besorgen.

Mit unserem Permit fahren wir mitten in das Reservat. Zuerst sehen wir keine einzige Robbe. Jedoch am Ende der Straße, hinter dem Kreuzkap hören wir laute Geräusche. Sie sind da! Wir trauen unseren Augen nicht. Tausende von Robben tummeln sich am Strand, auf den Steinen, im Meer etc. Robben - soweit das Auge reicht. Ein entsetzlicher Gestank drängt sich in unsere Nasen. Diese Masse an Robben produziert natürlich auch einen gewissen Körperduft. Viele Tiere haben zu dieser frühen Morgenstunde ihre Augen noch gar nicht geöffnet, sie liegen über- und aufeinander und genießen den Frühnebel. Nachdem wir unsere Foto-Session beendet haben, bleiben wir noch einige Minuten und beobachten die Tausenden von Robben, von denen sich viele im Meer treiben lassen. Wir können schön beobachten, wie Mütter und Jungtiere sich durch Ruflaute verständigen. Mit vielen beeindruckenden Erinnerungen verlassen wir Cape Cross in Richtung Henties Bay.

In der Kleinstadt Henties Bay müssen wir einige praktische Dinge erledigen: Tankstelle und „Bottle Shop“. In letzterem kaufe ich zwei „Six Pack“ Windhoek Lager. An dieses Bier kann man sich sehr gut gewöhnen. Im Shop bemerke ich, wie sehr mich der Robbenduft doch eingenommen hat. Ich sehne mich nach einer Haarwäsche. Die muss wohl noch warten. Nach einer kurzen Verzögerung fahren wir auf der C35 Richtung Uis. Auf dem Weg bewegnen wir vielen südafrikanischen Gruppen, die mit einer enormen Geschwindigkeit über die teils doch sehr schlecht befahrbare Straße sausen. Nachdem wir Uis hinter uns gelassen haben, geht es auf die Pad D 2359 in Richtung „White Lady“. Wir haben uns entschieden, nicht zur „Spitzkoppe“ zu fahren. Nach unserem Zwischenstop im Naukluft-Gebirge und der dortigen Wanderung müssen wir einen Tag in unserer Planung wieder aufholen. Außerdem erscheint uns die Gegend um das „Matterhorn Namibias“ nicht außergewöhnlich interessant.

Unser heutiges Nachtquartier ist das Ugab-Camp (90,- N$; Tel. 064-403829; Email: ugab@rhino-trust.org.na) in Tsisab. Dieses von der hiesigen Community aufgebaute und bewirtschaftete Camp erreichen wir in den frühen Nachmittagsstunden. Das Ugab-Camp gehört der „Namibia Community Based Tourism Association“ (NACOBTA) an. Die 1995 gegründet NACOBTA entwickelt touristische Projekte und bietet Hilfestellungen für die lokale Bevölkerung in den ländlichen Region des Nordens. Einheimischen wird ein touristisches Know-How vermittelt, sie werden beispielsweise zu „Tour Guides“ ausgebildet. Die lokale Bevölkerung soll in erster Linie vom Tourismus als Einnahmequelle profitieren, die Lebensbedingungen der gesamten Gemeinden sollen verbessert werden. Finanziell wird das 1994 aufgebaute Ugab Camp von der „Namibian Diamond Corporation“ gesponsert.

In einem, überwiegend aus Blechdosen und Holzstämmen gebauten Office begrüßt uns ein freundlicher, junger Mann. Wir dürfen erstmal ruhig Platz nehmen und mit dem interessierten Herrn über das Topthema sprechen: Fußball. Morgen spielt Deutschland im WM-Endspiel gegen Brasilien. Er kennt alle Spieler und weiß unsere Fußballer sehr zu schätzen.

Wir suchen uns einen ruhigen Platz in dem wunderschönen Camp. Neben Stellplätzen mit Grill bietet das Camp auch fest aufgebaute Zelte für alle, die nicht mir ihren eigenen „Zuhause“ unterwegs sind. Die Toiletten und Duschen sind sehr interessant. Alles befindet sich unter freiem Himmel und ist durch Holzverschläge eingegrenzt. Eigentlich keine schlechte Idee, da uns jetzt schon – im tiefsten Winter – die Schweißperlen herunterlaufen. Das Wasser wird in einem riesigen Kessel erwärmt. Türschlösser gibt es nicht, da muss eine abgrenzende Leine am Eingang reichen.

Der restliche Teil des Nachmittags dient der Entspannung. Wir sitzen gemütlich in der Sonne und blicken auf den Brandberg. Am Lagerfeuer grillen wir. Nur eine Gruppe von Südafrikanern weis die idyllische Stille zu unterbrechen.

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