F e r n w e h-Pur... Reisebericht

14.- 15. Tag
Brandberg - Twyfelfontein -Etosha Park

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14. Tag Tsiseb – Twyfelfontein (30. Juni)


An diesem Sonntag, an dem das WM-Endspiel zwischen Deutschland und Brasilien stattfindet, brechen wir schon früh in Richtung „White Lady“, einem prähistorische Felsenkunstwerk auf. Vom Ugab Camp sind es nur ca. 20 Minuten bis wir den Parklatz, der zu den Felsgravuren führen soll, erreichen. Auf dem Weg dorthin begegnen uns viele Springböcke, die – genauso wie wir - das Morgenpanorama des Brandberges genießen. Wir staunen über die interessant gestalteten Park-Nischen: zahlreiche Steine markieren einen Stellplatz. Die Ausmaße entsprechen denen unserer europäischen, weiß markierten Begrenzungen. Hier haben es die Einheimischen geschafft, ein Stück europäischen Standart mit eigenen Mitteln im Land aufzubauen. Sehr durchdacht!

Wir erkundigen uns in dem mit EU-Mitteln finanzierten Office nach der Möglichkeit einer Wanderung zur „Weißen Dame“. Dies sei nur mit einem Tour Guide möglich, da Touristen in der Vergangenheit die Natur verschmutzt und beschädigt hätten. Es stehen zwei verschiedene Touren zur Verfügung. Die kürzere Strecke führt nur zu den Felsgravuren der berühmtesten Felsmalerei in Namibia, der „White Lady“. Bei der größeren Tour erforscht man zusätzlich noch weitere Malereien und Gravuren in der Umgebung. Wir entscheiden uns für die längere Wanderstrecke, die für beide ca. 4,- Euro (inkl. Parkgebühr) kostet. Die Parkgebühr muss für den möglichen Dachbau des Office gezahlt werden. Der Tour Guide, Siegphried !Icharuchab, erkundigt sich sofort nach dem Thema und unserem Tipp: Er drückt den Deutschen die Daumen und wird das WM-Endspiel im Radio verfolgen. Wir unterhalten uns (auf Englisch) mit Siegphried, der zu den Damaras gehört, über die unterschiedlichsten Bereiche: Sport, Tourismus, Kultur, Alltagsgewohnheit der Damara. Dabei erfahren wir, dass er mit seiner Familie auf einer Farm nahe des Brandberges lebt, die ihre Haupteinnahmequelle durch Viehzucht erwirtschaftet. Die Damara, die in ihrem Nama-Dialekt „Khoisan“ die durch Ausrufezeichen gekennzeichneten kehligen Schnalzlaute benutzten, wurden schon früh durch die Nama unterdrückt und ihrer Kultur beraubt.

Nach ca. 30 Minuten leichten Gehwegs erreichen wir die ersten Malereien. Schon kurze Zeit später staunen wir über die „White Lady“, die – durch ein Gitter geschützt – auf einem Felsen erscheint. In der Vergangenheit hatten einige Touristen versucht, mit Hilfe von Farbverwandlungen (wie bsp. Cola) einen besseren Kontrast für ihre Erinnerungsfotos zu erhalten. Dies hatte zur Folge, dass die Felsmalerei hinter Gittern (wie die Mona Lisa) zu bewundern ist und von ihrer ursprünglichen weißen Farbe wenig zu sehen ist. Wir schauen uns weitere Gravuren (u.a. Giraffen) und Malereien an, die ca. 25.000 v. Chr. von Buschmännern geschaffen wurden. Malereien mit Giraffen hatten in früheren Zeiten eine große Bedeutung. Überall dort, wo früher Buschmänner die langhalsigen Tiere auf Felsen, Steinen etc. entdeckten, vermuteten sie Wasser. Giraffen benötigen viel Flüssigkeit für ihr Überleben, daher dienten die Malereien als hervorragende Wegweiser für Wasserstellen.

Langsam treten wir in der Mittagshitze den Rückweg an. Selbst jetzt im tiefsten Winter ist es dort sehr heiß. Siegphried macht uns mit den vielen, uns fremden Pflanzen und Tieren bekannt. Obwohl wir anfangs einer „Guided Tour“ kritisch gegenüberstanden, sind wir jetzt froh, einen fachkundigen Begleiter an unserer Seite zu haben. Der Damara klärt uns über die Bräuche seines Stammes, vor allem zu speziellen Anlässen wie Weihnachten auf. Wir erreichen kurze Zeit später wieder den liebevoll errichteten Parkplatz. Dort kaufe ich mir eine kunstvolle Halskette, die aus einer geschnitzten Makalani-Nuss besteht und die Gravur der „White Lady“ sowie der „Big Five“ enthält. Die Damara nennen diesen Schmuck „!uinida“. Nun geht es weiter in Richtung Twyfelfontein.

Wir fahren die D 2612, da sich Wüsten-Elefanten in der Gegend aufhalten sollen. Auf einer Strecke, die etwas abseits liegt, rechnen wir uns bessere Chancen aus, die Dickhäuter zu entdecken. Apropos Abseits - das WM-Endspiel zwischen Deutschland und Brasilien rückt näher. Der Höhepunkt des Jahres – und wir werden es vielleicht nicht live miterleben. Wir schalten das Radio ein und suchen verzweifelt nach einem Sender. Ein Summen, eine Stimme – wir haben Empfang. Und einen deutschsprachigen Sender: Jawohl wir können das Endspiel verfolgen. Der Hörfunk- und TV-Bereich wird in Namibia durch NBC (Namibian Broadcasting Corporation) abgedeckt. Neben dem englischsprachigen Hörfunk-Programm gibt es auch ein deutsches „NBC“, in dem die aktuellen Nachrichten, spezielle „News“ für Farmer sowie Unterhaltungs- und Sportprogramm geboten wird. Wir setzen unsere Fahrt durch die Savanne fort, lassen einsame Dörfer hinter uns und verfolgen gebannt den Verlauf des Finals. So fern in Afrika und doch so nah in der Fußball-Welt. Kurz hinter einer leichten Erhebung erreichen wir eine Stelle, an der wir keinen Empfang mehr haben. Wir fahren ein Stück zurück und können uns schon denken, was in der Zwischenzeit geschehen ist: Tor. 30 Sekunden haben wir keinen Empfang und schon fällt ein Tor gegen das deutsche Team. Nach dem zweiten Tor fahren wir weiter. Wir wollen die Schönheit Namibias genießen und erfreuen uns trotzdem an dem Erfolg unserer Kicker.

Der „Verbrannte Berg“ versetzt uns nicht in Begeisterungsstürme. Das Gestein ist pechschwarz, was eigentlich in dieser Gegend keine Seltenheit ist. Ansonsten gibt es nichts spannendes zu beobachten. Bei den nur wenige Kilometer entfernten „Orgelpfeifen“ legen wir unseren nächsten Stopp ein. Sie sind schon interessanter - die Basaltsäulen, die vor ca. 120 Millionen Jahren entstanden sind. Damals drang Lava in das Gestein ein und ließ es zu eckigen Säulen erstarren.

Da es noch recht früh ist, entscheiden wir uns, schon heute zu den Felsgravuren von Twyfelfontein zu fahren. An diesem reichsten Fundort von Felsgravuren im südlichen Afrika erwartet uns die nächste Führung (45,- N$; Tel. 067-331104). Eine junge Dame, ca. 16 Jahre alt, ist nun unser Tour Guide. Die erste Frage: „Wie ist das WM-Endspiel zwischen Deutschland und Brasilien ausgegangen?“ Sie schaut uns mit mitleidsvollem Blick an, als wir ihr das Ergebnis sagen. Schade! Wir setzten unseren Streifzug durch Twyfelfontein fort. Der Name „Twyfelfontein“ ist einfach zu erklären. Es ist nie sicher, ob es an diesem Ort wirklicht Wasser gibt. Deshalb gibt es Zweifel, bzw. „Twyfel“. Gibt es in Namibia überhaupt einen Ort, an dem man kontinuierlich über Wasser verfügt? Wir sehen die eindrucksvollen Gravuren und Malereien auf unserem Rundgang: Ein „tanzendes“ Kudu, der „Löwen“-Felsen, Buschmänner mit Pfeil und Bogen, Giraffen, Strauße, eine „felsige“ Landkarte Afrikas, einen fressenden Löwen, Springböcke, Elefanten und vieles mehr. Die Buschleute haben die diversen Tiere, Fährten und die teilweise abstrakte Natur auf den Felsen eingraviert und gemalt, um auch ihre Kinder damit zu unterrichten. Als Farbe haben sie Blut, die Schalen von Straußeneiern, Lehm, Gestein etc. benutzt. Das Alter der ca. 2.000 Gravueren in dieser Gegend wird auf ca. 500 bis 10.000 Jahre geschätzt, erklärt unser Tour Guide. Auch hier erkundigen wir uns nach den „Desert Elephants“. Sie seien wohl vor zwei Tagen durch das Abu-Huab Camp gestampft. Dort wollen wir heute übernachten! Vielleicht haben wir Glück! Nach diesem ca. einstündigen Spaziergang in der prallen Sonne zwischen den Felsen errreichen wir erschöpft und durstig unser Auto.

Wir fahren die wenigen Kilometer zum Abu Huab Camp (80N$). Dort besetzen wir einen einsamen Stellplatz. Heute ist wieder „Italien Night“. Spaghetti mit Bolognese-Sauce! Auch dieses Camp wird von der dortigen Gemeinde geleitet und befindet sich zur Zeit im Ausbau. Neben einer schönen, großen Bar gibt es auch wieder unsere geliebten Freiluftduschen. Naja, wenigstens sind die Außentemperaturen recht hoch.

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15. Tag Twyfelfontein – Etosha Park (1. Juli)


Die Freiluftdusche am Morgen ist tatsächlich recht kühl. Über die D 2628 geht es auf die C 39. Auf dem Weg halten wir Ausschau nach unseren „Desert elephants“. Wir biegen in eine Farm ein und erkundigen uns dort nach den Dickhäutern. Diese seien vor einigen Tagen hier vorbeispaziert. Leider weiß niemand, welchen Weg die Elefanten eingeschlagen haben. Schade! Wir beobachten weiterhin die Umgebung, können aber leider nichts Außergewöhnliches entdecken.
In Khorixas legen wir einen Tankstop ein. Dieser kurze Aufenthalt entwickelt sich zu einem interessanten, nicht unbedingt angenehmen Erlebnis. Wir werden von allen Seiten angebettelt, uns werden Souveniers, Ketten etc. zum Verkauf angeboten. Die Verkäufer beugen sich mit ihrer Ware in unser Auto. Wir sind froh, als der Tankvorgang endlich beendet ist. Bei der „Telekom Namibia“ rufe ich im Okaukuejo Camp (Etosha Park) an, um uns eine Bleibe für kommenden Dienstag zu besorgen. Das Camp sei schon seit Wochen ausgebucht, entgegnete mir der recht unfreundliche Mitarbeiter. Nur gut, dass wir unsere Übernachtung im Halali Camp schon frühzeitig reserviert haben. Dann müssen wir uns eben außerhalb des Nationalparks ein Quartier suchen.
Wir setzen unsere Fahrt auf der C 39 bis Outjo fort. In Outjo geht es dann Richtung Norden auf die asphaltierte C 38. Gegen 13 Uhr erreichen wir das „Eldorado Wildlife Camp“, das ca. 9 km vor dem Anderson-Gate, einem der Eingänge des Etosha-Park liegt. Der Campingplatz ist sehr schön angelegt. Gut ausgestattete Stellplätze mit sauberen sanitären Anlagen. Zudem ist es recht günstig: 50,- Dollar (ca. 5,- Euro) kostet die Übernachtung für zwei Personen. Wir buchen uns direkt für zwei Nächte ein, da dies der letzte Campingplatz vor dem Eingang zum Etosha-Park ist.
Es ist 13.30 Uhr, als wir alle Formalitäten im Eldorado Wildlife beendet haben. Wir entscheiden uns für eine erste Pirsch-Fahrt in den Etosha Nationalpark, der ultimativen Sehenswürdigkeit in Namibia. Die Tore des Parks schließen bei Sonnenuntergang, das heißt wir haben noch gut vier Stunden Zeit, einen ersten Einblick in die Etosha-Tierwelt zu erhaschen. Es lohnt sich!
Nachdem wir am Anderson-Gate den Check-In erledigt haben, trauen wir unseren Augen nicht. Zahlreiche Zebras überqueren ca. 10 Meter entfernt die Straße. Wir halten sofort an und staunen. Nach einigen Metern entdecken wir in der Weite des Parks unsere ersten Giraffen. Vier der höchsten Tiere der Erde grasen seelenruhig und lassen sich auch von den vorbeifahrenden Autos nicht stören. Auch ein Oryx steht direkt am Straßenrand. Wieder überquert eine Schar von Zebras die Straße. Nun wissen wir endlich, woher der Zebrastreifen seine Namensgebung und Bedeutung hat!-) Wir schauen gebannt auf die Tiere, die in völliger Wildnis und Freiheit leben. Natürlich versuchen wir so viele Fotomotive wie möglich zu bekommen. Nach dem Besuch im Etosha Park stellen wir fest, dass diese ersten Aufnahmen nicht unbedingt unsere besten waren. Am Anfang ist noch jedes Tier ein außergewöhnliches und festzuhaltendes Erlebnis...
Wir fahren weiter zum Okaukuejo Camp, in dem wir unseren Eintritt bezahlen müssen. Dieser beträgt 70,- Dollar (ca. 7,- Euro) für zwei Personen und muss auch entrichtet werden, wenn im Park übernachtet wird. Neben dem Etosha-Camp in Okaukuejo gibt es noch zwei weitere Übernachtungsmöglichkeiten: Halali und Namutoni. Alle drei Camps verfügen über ein Hotel, Bungalows, Camping, Shops, Restaurants, Pool und je eine beleuchtete Wasserstelle. Im Jahre 1851 wurde der heutige Nationalpark von John Anderson und Francis Galton entdeckt. Der Etosha Park erstreckt sich über 22.270 qkm, die Etosha-Pfanne selbst nimmt ein Gebiet von 5.000 qkm ein. An den Rändern des Etosha gibt es „elefantensichere“ Zäune, die die benachbarten Farmer vor den Dickhäutern schützen sollen. Die Pfanne war in der geologischen Vergangenheit der Boden eines großen Binnensees, der im Laufe der Zeit ausgetrocknet ist. Durch die Verdunstung des Wassers sind damals die eingespülten Mineralien und Salze zurückgeblieben. Der Untergrund der in 1065 m Höhe liegenden, weißen Mulde besteht heute aus Kalken und Tonen, auf denen sich das Salz abgelagert hat. Im Jahre 2001 haben Ranger im Etosha mehr als 3.000 Elefanten, über 2.000 Giraffen, 500 Löwen, 200 Nashörner, Tausende von Springböcken, Gnus und Zebras gezählt. Natürlich gibt es auch die Oryx-Antilopen, die scheuen Wappentiere Namibias.
Im Etosha-Nationalpark gibt es über 50 Wasserlöcher, die teilweise künstlich angelegt wurden. Die Straßen im Etosha sind Schotterpisten, die überwiegend in einem guten Zustand sind. Vor den jeweiligen Wasserstellen gibt es so genannte „Parkplätze“, so dass man recht dicht an die trinkenden Tiere heranfahren kann. Das Aussteigen ist im Etosha Park – mit Ausnahme der Rastlager und der ausgewiesenen Picknickplätze – strengstens verboten. Die Tiere zieht es vor allem in der Trockenzeit an die Wasserstellen, da die Flüssigkeit in diesen Monaten im Park knapp ist. Vom Drang der Etosha-Tiere zu den Wasserlöchern können wir uns gleich bei „Gemsbokvlakte“ überzeugen. Dort stehen eine Vielzahl von Tier-Gruppen an der Trinkquelle und erfreuen sich der Gemeinsamkeit und natürlich der Erfrischung. Zebras, die sich auf dem Boden wälzen, Strauße, Springböcke, Oryx: Sie alle genießen die freie Natur. Es ist ein wunderschönes Erlebnis, diese außergewöhnliche Tierwelt zu sehen. Wir verbleiben einige Minuten bei „Gemsbokvlakte“ und beobachten!
Nachdem wir weiterhin im Etosha-Park auf der Pirsch waren, versuchen wir noch einmal unser Glück am Wasserloch „Aus“. Dort wird ein Traum wunderschöne Realität. Elefanten!! Wir sehen zwei noch recht junge Tiere am Wasserloch. Einige Meter vor der eigentlichen Trinkstelle haben sie sich ein tiefes Loch gegraben, aus dem sie einen Teil ihrer täglich 300 Liter Trinkflüssigkeit saugen. Die beiden Elefanten bewegen sich ruhig, fast behäbig und genießen die Natur. Ihr Verhalten ist nicht wiederzuerkennen. Wir kennen die Dickhäuter nur aus dem Zoo, in dem sie nervös hin und her laufen. Hier läuft alles mit größter Ruhe und Zufriedenheit ab. Welch‘ ein Traum. Wir beobachten die Elefanten eine ganze Weile und müssen uns dann auf den Weg Richtung Eldorado Camp machen. Leider schließt der Etosha Park bei Sonnenuntergang seine Pforten und dies geschieht heute um 17.20 Uhr.
Mit größter Zufriedenheit erreichen wir das gemütliche Eldorado Wildlife Camp, das sich aber mittlerweile sehr gefüllt hat. Wir fragen die Inhaberin nach der Malaria-Gefahr, da wir mit dem Etosha-Park ein Malaria-Gebiet erreicht haben. Sie beruhigt uns. Es bestünde keine Gefahr mehr, da die Regenzeit vorbei sei. Die nächtliche Ruhe wird nur von einer Gruppe Südafrikanern gestört, die lautstark ihren Namibia-Urlaub begießen.

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