F e r n w e h-Pur... Reisebericht

18.- 23. Tag
Etosha Park -Waterberg -Okahandja - Windhoek

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18. Tag Etosha Nationalpark - Otavi (4. Juli)


Das Frühstück im Halali Camp ist kurz. Es geht schnell weiter in Richtung Namutoni. Wir sehen unzählige „Stammgäste“ der letzten Tage: Oryxe, Zebras, Giraffen, Springböcke etc.. Als wir auf der Straße wieder einmal drei parkende Autos sehen, halten wir Ausschau nach dem wohl bereits entdeckten Objekt. Ein Löwe fehlt uns ja noch in unserer Sammlung. Würden die vielen Besucher für eine Giraffe oder ein Kudu anhalten, das es hier fast an jeder Böschung gibt? Wir folgen den Blicken der aufgeregten Menschen. Wir entdecken „sie“! Sie, die Löwin hebt den Kopf. Die „Königin“ des Tierparks hält gerade Mittagsruhe und liegt in den gelblich kargen Sträuchern. Sie senkt den Kopf wieder und döst genüsslich weiter. Löwen sind nachtaktive Tiere, das heißt tagsüber befinden sie sich meistens im Ruhezustand. Die Löwinnen sind wesentlich gefährlicher als ihre männlichen Artgenossen und für die Nahrungsversorgung ihrer Horde verantwortlich. Wenn die „Damen“ bei Nacht auf Nahrungssuche gehen - Springböcke sind ihre bevorzugte Mahlzeit im Etosha - treten sie meist im Rudel auf und überfallen zielgerichtet ihre meist wehrlosen Opfer. Wir fahren langsam weiter und sind sehr zufrieden mit unserer „Tierausbeute“. Die „Big Five“ haben wir vollständig gesehen. Wir fahren zu einem kurzen Rast ins Fort Namutoni, dem „hochgelegenen Ort“ in der Ovambo-Sprache. Das Fort wurde 1903 aus Lehmziegeln gebaut, nachdem es zuvor als Polizeiposten gedient hatte. Nach einigen Aufständen der Ovambo gegen die deutschen Kolonialherren, entstand hier im 1. Weltkrieg ein Gefangenenlager für britische Soldaten. 1957 wurde das Fort Namutoni restauriert und dienst seither als Rastlager und Museum. Wir beobachten nördlich von Namutoni noch einige Zebras, die teilweise beängstigend nah an unser Auto treten, und verlassen dann durch das „Von Lindequist Gate“ den Etosha Nationalpark.

Es geht nun auf der asphaltierten B 1 weiter Richtung Tsumeb. Auf dem Weg dorthin machen wir noch kurz Halt am Otjikoto-See. Der See, eine eingebrochene Dolomit-Höhle, ist noch weitgehend unerforscht und dient der Wasserversorgung von Tsumeb. Während des Zweiten Weltkrieges haben deutsche Truppen nach der Kapitulation Kanonen und Waffenarsenal in der Tiefe des Sees versenkt, damit sie nicht in Feindeshand gerieten. Noch heute soll sich Kriegsgerät in dem kalten Gewässer befinden. Im Parkgelände um den Otijikoto-See können wir noch einige Strauße und sogar Alligatoren hautnah erleben.

In Tsumeb besuchen wir das Stadt-Museum. Die Ausstellungsräume sind überaus sehenswert. Nach einer ausführlichen Präsentation der Buschleute und der Himba-Kultur kommen vor allem Mineralogen auf ihre Kosten. Auch einige mittlerweile aus dem See geborgene deutsche Relikte werden dargestellt. Wir fahren über die Main Street zum „Arts and Crafts Centre“, in dem die Frauen des Ortes ihre Kunsthandwerke ausstellen. Nachdem Stefan eine schön verzierte Holzschale erworben hat, geht es weiter in Richtung Otavi.

Kurz vor der kleinen Ortschaft liegt „Zum Potjie“. Dieses kleine Restcamp wurde vor zwei Jahren als bestes des Landes ausgezeichnet. Nachdem wir sehr freundlich von den deutschen Gastgebern empfangen wurden, richten wir uns den Stellplatz inmitten von Orangen- und Zitronenbäumen ein. Mit 40,- Dollar (ca. 4,- Euro) ist dies unsere günstigste Übernachtung während der gesamten Reise . Und dazu eine der besten - ohne lärmende Nachbarn.

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19. Tag Otavi – Waterberg Plateau Park (5. Juli)


Im Rastlager „Zum Potjie“ tritt der Fall ein, an den wir bisher nur mit Schrecken gedacht haben, der aber statistisch zu erwarten war: Am linken Vorderreifen kündigt sich ein „schleichender Plattfuß“ an. Glücklicherweise stehen wir ja im Camp, sind vor wilden Tieren geschützt und können außerdem jemanden zur Hilfe holen. Stefan macht sich also an die Arbeit. Das Wechseln des Reifens an unserem Toyota Hilux ist eigentlich nicht schwierig, die defekte Luftpumpe sowie der geringe Luftdruck im Reservereifen machen uns schon eher Sorgen.

Nachdem der Luftdruck einigermaßen hergestellt ist, machen wir uns auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Diese liegt im nur wenige Kilometer entfernten Otavi. Dort rufen wir zunächst bei unserem Vermieter Safe! Cars an, um den Reifenschaden zu melden und uns nach dem weiteren Vorgehen zu erkundigen. Die Dame am Telefon kann uns kaum Auskunft geben und ist recht unfreundlich. Also entscheiden wir uns, zur Tankstelle zu fahren, um dort die Möglichkeiten eines Reifenflickens abzuklären. Da wir Vollkasko versichert sind, brauchen wir uns über die möglichen Kosten keine Gedanken zu machen. Schließlich ist es auch beruhigender, über zwei intakte Reservereifen im Auto zu verfügen, da man durchaus auch mehrere Reifenpannen an einem Tag haben kann. Die Tankstelle macht einen sehr guten Eindruck und der Mitarbeiter nimmt sich sofort unseres kleinen Problems an. Jawohl, der Reifen kann geflickt werden und wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Im Reifen steckte tatsächlich ein riesiger Nagel, den wir uns wohl auf der asphaltierten B1 eingefahren haben. Nach ungefähr 40 Minuten ist der Reifen fertig und wir können wieder sorgenlos die letzten Tage unseres Urlaubs genießen. Wie viel kostet wohl das Flicken eines Reifens? Wir lassen uns überraschen und können unser Erstaunen nicht verbergen: 19 Dollar (ca. 1,90 Euro). Unglaublich! Unsere Vollkasko-Versicherung hat sich also ausgezahlt... Naja man kann nie wissen, welche Schäden bei den teilweise schlechten Straßenverhältnissen entstehen können. Insgesamt sind wir sehr froh, dass wir uns zum Abschluss einer Vollkasko-Versicherung entschieden haben. Obwohl diese wahrlich nicht billig ist, gibt sie uns Reisenden ein beruhigendes Gefühl. Ansonsten wären wir vielleicht so manche Straße nicht gefahren.

Durch das schmucke Städtchen Otjiwarongo, die Nähe zu Windhoek macht sich bemerkbar, fahren wir zum Waterberg Plateau Park. Dort geht es erst einmal zum Mittagessen. Zwei saftige Steaks stillen unseren Hunger. Wir haben ja schon viel erlebt an diesem Tag! Anschließend steht ein kleiner Spaziergang, der uns auf die Spitze des Waterbergs führende „Mountain View Walk“, an. Ein Weg, der uns vor allem auf Grund der Mittagssonne die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Plötzlich hören wir ein lautes Geschrei. Wir sehen Paviane den Berg hinunterlaufen. Ganz wohl ist mir nicht, da auch Paviane nicht ungefährlich sind. Gegenüber Menschen wirken sie aber sehr scheu und ängstlich.

Nach dem steilen Aufstieg sind wir endlich auf dem Bergzipfel angekommen und genießen die grandiose Aussicht. Das Waterberg Plateau erstreckt sich über 50 km und ist bis zu 10 km breit. Es liegt in einer Höhe von 1.900 Metern. Wir schauen uns um und entdecken auf dem benachbarten Felsen einige Besucher, die den Aufstieg ebenfalls gemeistert haben: Paviane. Ungefähr zehn Affen sonnen sich in der Mittagshitze und schauen zu uns herüber. Sie spielen und pflegen untereinander ihre Körper. Plötzlich gibt es ein riesiges Geschrei: eine andere Horde Paviane umzingelt den Berg und ein Streit um das Revier beginnt. Die großen Männchen machen sich auf zum Kampf, wir sehen sie nicht wieder und hören nur ihr vereinzeltes Geschrei.

Langsam beginnen wir wieder unseren Abstieg. Der Rückweg ist nicht sonderlich gut ausgeschildert und wir befinden uns auf einer anderen Strecke. Trotzdem – und nicht ohne Erleichterung – erreichen wir das Bermabé-de-la-Bat Rastlager (160,- N$; Tel. 067-305001). Am Abend genießen wir den Ausblick auf den goldschimmernden Waterberg und stoßen beim Lagerfeuer wieder einmal auf einen gelungenen Tag an.

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20. Tag Waterberg Plateau Park – Groß Barmen (6. Juli)


Über die B 1 geht es heute nach Okahandja. Dort besuchen wir den bekannten Holzschnitzermarkt. Hier gibt es alles, was das namibische Kunsthandwerk zu bieten hat. Die vielen verschiedenen Stände verfügen über ein umfangreiches Angebot. Von kleinen Löffeln und Zuckerdosen über holzgeschnitzte Tiere (wie Giraffen, Elefanten) bis zur Trommel gibt es hier alle erdenklichen Souvenirs. Die Verkäufer gehen emsig ihrem Geschäft nach und versuchen – teilweise mit Nachdruck – ihre Ware zu verkaufen. Erstaunlich ist hier der große Zusammenhalt unter den einzelnen Händlern. Eine Ware wird nie unter dem Preis angeboten, der von einem anderen Verkäufer festgesetzt wurde. Hat der eine kein Wechselgeld, hilft der andere. Wir lernen die afrikanische Handelsmentalität kennen. Nachdem uns ein Preis vorgeschlagen wird, reagieren wir mit einer Summe, die mindestens 50 Prozent unter der des Händlers liegt. Meist einigt man sich auf einen „mittleren“ Preis und so wird man stolzer Besitzer einer Giraffe, der typisch afrikanischen Trommel und einer Totem-Maske. In Okahandja, der Herero-„Hochburg“ findet alljährlich Ende August eine feierliche Herrero-Prozession statt. Dann gedenken Hunderte von Herero ihrer bedeutenden Führer.

Nachdem wir in Groß Barmen gegessen haben und auch endlich den landestypischen erfrischenden „Rock Shandy“ (Limonade, Soda, Angostura) probiert haben, lassen wir uns in dem ca. 40 Grad warmen, sulfid- und fluoridhaltigen Termalbad verwöhnen. Auch der Außenpool, der allerdings nicht geheizt ist, lädt uns zum Baden ein.

Auf dem Campingplatz (145,- N$) suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen, das fernab der Gruppe von Südafrikanern liegt. Neben unserem Platz befindet sich ein Weg, der das Dorf mit der Anlage verbindet. Obwohl viele Angestellte von Groß Barmen den kurzen Fußweg nutzen, ist uns etwas unbehaglich. Wir fühlen uns unsicher, da ständig Menschen an unserem Fahrzeug vorbeilaufen. Unsere Sorgen bestätigen sich: wir werden auch von einigen Einheimischen angebettelt. Nachdem wir uns auf ein saftiges Grillsteak gefreut hatten und das Feuer schon im Dunkeln lodert, entscheiden wir uns, nach dem Abendessen den Platz zu wechseln und uns zu den Südafrikanern zu gesellen. Dort fühlen wir uns sicher und können die – nicht ganz ungetrübte – Nachtruhe genießen.

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21. Tag Groß Barmen – Okapuka (7. Juli)


Wir setzen unsere Rückreise auf der B 1 Richtung Windhoek fort. Für die letzte Nacht im Dachzelt haben wir uns die Okapuka Lodge ausgesucht, die über einen einsamen Campingplatz (ca. sechs Stellplätze; Tel. 061-227845; email: okapuka@iafrica.com.na) mit Freiluftduschen und eigenem Swimming-Pool verfügt. Auf einem 90-minütigen Spaziergang genießen wir noch einmal die weite Landschaft Namibias. Am Pool entspannen wir uns und lassen die Seele baumeln. Der Urlaub verging zu schnell und wir können uns kaum an den Gedanken der Rückreise nach Deutschland gewöhnen. Wir genießen unseren letzten Abend am Lagerfeuer! Hier sind wir die einzigen Gäste.

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22. Tag Okapuka - Windhoek (8. Juli)


Am Morgen bereiten wir unseren Toyota Hilux auf die Rückgabe bei Safe! Cars vor und fahren gegen Mittag nach Windhoek zurück. Nachdem wir unser Gepäck im Puccini House verstaut haben, müssen wir uns von unserem Gefährt verabschieden, das uns drei Wochen lang mit stets treuen Diensten begleitet hat. Die Übergabe bei Safe!Cars verläuft reibungslos.

Wir gehen in die City von Windhoek und schlendern gemütlich die Independence Avenue entlang. Wir schmöckern in der „Bücherhalle“ und genießen die Sonnenstrahlen im Park. Dort lesen wir – wie beinahe täglich - die „Allgemeine Zeitung“.

Am Abend steht wieder ein Besuch im Restaurant „Africa“ auf dem Programm. Die afrikanischen Spezialitäten sind vorzüglich und wir lassen uns in der gemütlichen Atmosphäre verwöhnen.

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23. Tag Windhoek – Hamburg (9. Juli)


Pünktlich werden wir von Safe! Cars abgeholt und zum Flughafen gefahren. Der 9,5-stündige Flug ist anfangs sehr unruhig. Wir werfen einen letzten Blick auf den afrikanischen Kontinent mit seinen verschiedenen Landschaftsbildern (Regenwald, Fluss Kongo, Wüste etc.) und bestaunen die Weite der Sahara. Um 21.35 Uhr landen wir pünktlich in Frankfurt. Die Heimat hat uns wieder.

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© 2002 - 2003 by Stefan Brixner, Hamburg, Deutschland